Ein Wayward-Pines-Thriller

Vergesst das FBI oder CIA, der Secret Service ist nun in aller Munde! Stellvertretend für diese besonderen Ermittler darf Ethan Burke uns seine Geschichte einmal näher vorstellen. Dabei ist Ethan wahrlich keine billige Kopie der mächtigen Konzerne. Sein Aufgabengebiet ist eben etwas spezieller. Er hat die Aufgabe, zwei vermisste Kollegen zu finden. Theoretisch ist die Lage klar: Beide hatten den Auftrag etwas in Wayward Pines herauszufinden. Beide sind in eben jenem Ort verschwunden. Wie vom Erdboden verschluckt. Keine Nachricht nach außen, keine Leichen, keine DNA-Fetzen. Als ob sie nie existiert hätten.

Ethan macht sich auf den Weg und gerät in einen fiesen Unfall. Völlig orientierungslos erwacht er im Krankenhaus. Er kann sich an nichts mehr erinnern und möchte einfach nur noch weg. Doch seine persönlichen Habseligkeiten sind nicht mehr da. Bestimmt hat man seine Kleidung als Beweis behalten oder reinigt die Kleidung oder bewahrt sie sicher auf. Irgendetwas logisches eben. Nur dummerweise vertröstet die Krankenschwester ihn immer wieder. Vielleicht doch alles nicht so logisch? Kurzerhand beschließt er zu türmen.

“Es war früher Abend, der klare Himmel wurde langsam dunkler und die Berge schimmerten im Licht der untergehenden Sonne rosa und orange. […] Er holte so tief Luft, wie er nur konnte, ohne den Schmerz wieder aufflackern zu lassen, und nach dem antiseptischen Gestank im Krankenhaus fühlt es sich großartig an, diese kühle, nach Pinien duftende Luft einzuatmen.” (S. 41)

Was wäre dein erster Gang? Die Flucht oder erstmal zur Polizei. Ethan entscheidet sich für die Polizei. Ein Fehler? Denn selbst dort weicht man seinen Fragen aus. Kann oder will ihm nicht helfen und wird immer wieder vertröstet. Irgendwann kommt er tatsächlich an seine Kleidung. Doch nach einem Essen und kleinen Hinweisen fühlt er sich absolut nicht mehr wohl. Eine böse Vorahnung macht sich in ihm breit. Er will nur noch weg. Raus aus der Stadt. Weg von den Lügen. Aber diese Stadt kann man nicht so einfach verlassen. Wayward Pines hält einen fest in der Hand.

“Sie müssen sich entspannen, Ethan. Hören Sie mich? Hören Sie auf, sich zu wehren” (S.186)

Hier mache ich einen Cut. Denn viel mehr möchte ich nicht über den Inhalt berichten, da ich sonst kleine Spoiler geben könnte. Es kommt sogar zu einem kleinen “Mindfuck-Moment”, den ich allerdings bereist kannte, da ich die filmische Umsetzung in Form einer Serie vor ein paar Jahren bereits gesehen habe. Er hat mich dennoch erneut von den Socken gehauen, da man immer noch hofft, dass DAS nicht der Wahrheit entspricht. Um dennoch einen tieferen Einblick in das Buch und seinen Stil zu geben, folgen ein paar Gedanken:

Was macht Ethan da?
Wieso ist Schwester Pam so komisch drauf?
Autsch, verdamm mich nochmal! Das war gemein, Pam!
Was verbirgt diese komische Sheriff?
So ne fiese Sekretärin braucht kein Mensch!
Oh, Knochen, gnihihi, guck mal Ethan, da hatte einer seinen Spaß!
Upsi, zu viel nachgefragt… glaub es ist Zeit in Deckung zu gehen… Los, hau ab Ethan und Nein, nicht da lang! Böse! Aus! Pfui!

Fast die komplette Geschichte lang begleitet man den Agent bei seiner Odyssee durch Wayward Pines. Gelegentlich kommt ein Schnitt in die Außenwelt. Seine Frau macht sich große Sorgen um ihren Mann und steht gemeinsam mit dem Sohn einige Ängste aus. Was ihr Erzählstrang für eine Bedeutung hat, wird im ersten Band noch nicht ganz klar. Ich habe hier einen kleinen Vorteil, da sich die Serie recht nah an der Buchvorlage orientiert hat. Große Sympathiepunkte sammelt die gute Frau nicht, dafür kann sie aber nichts. Ihre Szenen wirken einfach wie reingeschmissen und hauen einen bei Ethans Reise raus, die man einfach viel lieber verfolgen möchte.

Da ich auf twitter gefragt wurde, ob man beides vergleichen kann, TV-Serie und Buch. Ja, es ist zwar schon etwas her, dass ich die Serie geschaut habe, aber das was ich behalten habe, kommt auch so in dem Buch vor. Zeitweise ist das Buch geraffter. Man muss schließlich auf der Leinwand die Stimmung erstmal aufbauen und den Zuschauer am “Set” herumführen. Optisch kann mein Kopfkino bisher absolut nicht meckern.

>> Ein gelungener Auftakt! Ich bleibe am Ball, schließlich möchte ich endlich das Ende erfahren! (Die TV-Serie wurde nie beendet…)


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Genre: Crime / VÖ: August ’19 / Verlag: Goldmann Verlag / Region: Amerika / Serie: Band 1 von 3

erhältlich bei: Hugendubel.de

weitere Meinungen: Die Dunklen Felle “Unheimlich spannend und mit unglaublicher Sogwirkung – man muss wirklich unbedingt wissen: Was ist los in Wayward Pines?”