“An einem goldenen Abend im Juli versammelten sich über zweihundert Kunstliebhaber vor einer unglaublich hippen Galerie in Somerset.” (Buchbeginn)

Shanti Joyce ist Inspector. Sie leitet recht frisch ein Team im Südenwesten Englands und erhofft sich hier das Vergessen und einen Neustart. Dabei tritt sie in die Fussstapfen eines Kollegen, der offiziell krank gemeldet ist und sich zurückgezogen hat. Ob das ein guter Start ist? Immerhin hat der Vorgänger keinen allzu schlechten Ruf, ganz im Gegenteil Mister Caine war ein angesehener, leicht verschrobener Mitarbeiter, der einige Erfolge erzielt hat.

Bevor sie sich darüber weiter Gedanken machen kann, wird sie mitsamt ihres Teams zu einem makaberen Mordplatz gerufen. Eine angesehene und besonders skurrile Künstlerin ist tot in einem riesigem Tank voller Formaldehyd aufgefunden worden. Natürlich war es niemand und keiner hat etwas gesehen, obwohl der Raum bei der Enthüllung des Tanks gut besucht war. Selbst nachdem alle befragt wurden, jedes Alibi geprüft wurde, hat man keinen Mörder gefasst. Also greift sie zum letzten Mittel: Sie meldet sich bei Mister Caine.

“Shanti schnaufte durch, klopfte laut an die Tür und stellte fest, dass ihre Finger vor Flüssigkeitsmangel angeschwollen waren. Sie wartete. Klopfte erneut, doch niemand reagierte.” (S.41)

Vincent Caine hat sich zurückgezogen. Lebt minimalistisch im Wald und ist so gar nicht von dem Besuch angetan. Aber vielleicht kann ihn seine Nachfolgerin ja doch etwas neugierig machen und hält ihm leckeren Zucker – oder hier eher wohltuenden grünen Tee – vor die witternde Nase. Letztlich kommt er mit und widmet sich dem Künstlervolk, was die Verstorbene wie eine Heilige vereehrt.

Es folgt ein klassisches Frage-Antwort-Spiel, wie man es aus zahlreichen Krimis kennt. Das Ermittlerteam geht von Tür zu Tür. Fragt nach, recherchiert, bohrt weiter nach und legt sich letztlich auf einen Mörder fest, dessen Schuld es zu beweisen gilt. Auch als Leser ahnt man rasch wer dahinter steckt. Aber es gibt eben keine vernünftigen Beweise. Genaus diese Schnipseljagd nach Indizien macht das Buch aus. Gemixt mit dem unterhaltsamen, bewusst leben wollenden Caine und der im Leben stehenden Shanti, wird es keine Minute langweilig.

“Vielen Dank für nichts, Caine. Ich habe drei Tage damit verbracht, Ihre Chauffeuse zu spielen, und wir stehen genau da, wo wir angefangen haben. Aber keien Sorge, es gibt ja noch hundertfünfundneunzig weitere Zeugen, die wir befragen müssen. Und jetzt möchten Sie wahrscheinlich, dass ich Sie zurück nach Lyme kutschiere. Sehr gern – es ist für mich ja bloß ein Umweg von einer Stunde.” (S.134)

Für mich war es vor allem das verbale Wortgeflecht der beiden, was mich so unterhalten hat. Britische direkte Art mit einer Prise Buddhismus. Der Fall selbst, dreht sich ab einem gewissen Moment im Kreis und hätte etwas schneller zum Punkt gebracht werden können. Ansonsten sollte man sich ruhig auf das Duett einlassen, wie es in die Höhle des Löwen tritt, um in einer Welt voller selbstbeweihräuchernder Künstler verzweifelt DEN Mörder zu finden. Letztlich könnte es nämlich jeder aus Neid sein.

Das Buchcover ist ein kleine Eyecatcher, der mir im Laden sicher auch aufgefallen wär.
Empfehlen kann ich es jedem, der gerne mal wieder einen unterhaltsamen und leichten Krimi lesen möchte.
Der zweite Band der Crime-Reihe kommt im Juli in den Handel und heißt “Der achtsame Mister Caine und das allerletzte Lied”.
Ähnliche Bücher sind zum Beispiel: “Der Killer im Lorbeer*” & “Aufschrei in Ascot*” von Arthur Escroyne

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Genre: Crime, Humor / VÖ: 12.2019 / Verlag: Droemer Knaur* / Region: England / Serie: Band 1

erhältlich bei: hugendubel.de

 

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