“Dämonen, weiß ich, wird man schwerlich los.” (J. W. v. Goethe)

Da ist dieser koffeinsüchtige Privatermittler, der einen interessanten Fall bekommt. Das Geld ist knapp, jeder Auftrag zählt. Zudem klingt der neue Auftraggeber äußerst wohlhabend. Die floskel “diskret” spricht für einen hohen Gehaltscheck. Warum also absagen? Natürlich schlägt Matteo Martin die Hand ein, als er von dem Ritualmord hört. Süßer die Kassen nie klingen!

Ungewollt schlittert er Hals über Kopf in die Hände seltsamer Okkultisten, die ihre ganz eigenen Vorstellungen von Spaß und Freude haben. Was anfangs wirklich wie ein ganz normales Mordopfer auf einem Privatgrundstück ausschaut. Es ist halt etwas eskaliert, sie verstehen das sicher! Entwickelt sich rasant zu einem Wettlauf zwischen Leben und Tod.

“Vielleicht lebe ich zu sehr in meiner eigenen kleinen Fantasiewelt. Aber egal, die Träume machen Spaß. Also Welt aus, Gehirn aus und Träume an … gute Nacht!” (S.49)

Luna, die Nachbarin des Ermittlers, hat derweil mit ihren ganz eigenen Alltagsproblemen zu kämpfen. Ihr Job hängt ihr einfach nur zum Hals heraus und sie braucht dringend eine Auszeit. Also flüchtet sie sich in ihre “Tagträume”. Diese wirken in letzter Zeit täuschend echt. Vor allem ihre Erlebnisse und wilden Fantasien rund um ihren Nachbarn Matteo. Man könnte meinen, sie treffen sich wirklich in dieser Welt.

Ob das so sein könnte? Oder wieso sieht sie ihn auf einmal in einer äußerst brenzligen Lage und hat den Eindruck, dass er sie sehen und fühlen kann? Schockiert und überwältigt von dieser Entdeckung forscht Luna nach und erinnert sich an ein gewisses Buch vom Flohmarkt, was der Äuslöser gewesen sein könnte. Aber das ist doch alles Märchenkram! Das passiert nicht in der Realität!

“Fast zeitgleich reißen wir die Arme hoch. Ich mit dem Messer und er mit einer Spritze in der Faust, den Daumen auf dem Kolben.” (S.57)

Was auch immer die beiden machen, sie sollten sich schnell entscheiden. Denn zumindest bei einem hängt das Leben von dieser Entscheidung ab. Luna und Matteo reden dabei stetig abwechselnd in der Ich-Form mit dem Leser. Etwas, was ich bisher selten bei Bücher erlebt habe, da meist nur ein Charakter in der Form redet. Gestört hat es nicht, ganz im Gegenteil, ich mag dieses Erzählweise. Genauso macht es Spaß zu beobachten, wie sich beide entwickeln und aufeinander “zuarbeiten”.

Das Buch kommt leider nicht ohne ein paar Kritikpunkte aus. Um nicht zu spoilern, bleibe ich bei meinen Beschreibungen etwas vage. Im Lauf der Geschichte erlebt Matteo ein paar unschöne Dinge mit gewissen Charakteren. Diese haben ein System und eine Herkunft. Diese sind schnell sichtbar und man hat das Gefühl, es wird einfach nur alles abgearbeitet. Das brachte mir zu wenig Abwechslung ins Geschehen und war zu verhersehbar.

Gegen Ende kommen weitere wichtige Details ans Tageslicht. Auf der einen Seite, find ich die Idee dahinter grandios, auf der anderen Seite war es mir einfach zu viel Mystery. Zudem werden Andeutungen auf den nächsten Band gemacht, deren Entwicklung nicht nach meinem Geschmack wäre, was wieder mit der Fantastik zusammenhängt. Böse, blutige Geschichten: Gerne, her damit! Ein wenig Mystik schadet dabei nicht! Aber nicht over the top, da bin ich leider raus.

Wer “Samael Rising” zur Hand nimmt, sollte sich auf eine böse, makabere, erotische und zeitgleich mystische Geschichte einlassen können und wird danach nicht enttäuscht werden.

Für ein Debüt ist es durchaus gelungen. Ich freu mich auf weitere Werke von Nici Hope ohne dem besagten Aspekt. Diese Reihe werde ich nämlich nicht weiterverfolgen.

Ein kleiner Nachtrag: In dem Buch gibt es zahlreiche nette Zeichnungen zu den Charakteren. Mir waren es zu viele Gesichter. Sie lenkten ab und ich habe sie mir größtenteils anders vorgestellt.

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Genre: Crime, Fantasy, Mystery / VÖ: Dezember ’19 / Verlag: Blutwut Verlag* / Serie: Band 1 von 3

erhältlich bei: hugendubel.de*

 

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