“Grass springs up again, though knocked down
by the wind, trampled and crushed under foot.
Maybe it will brush against your legs and
whisper a shy greeting” (letzte Seite)

Grass” ist in der Kategorie “Best realistic-based work” für den Eisner Award nominiert, der diesen Monat verliehen wird. Ich weiß nicht was mich an dem Titel festkleben lies. Ob es der koreanische Name, der Künstlerin war; das Cover, was mit seinem Stachendraht einen bleibenden Eindruck hinterlässt oder schlichtweg die Thematik, die in diesem Werk aufgegriffen wird. Letztlich bin ich froh, dass ich mir den Comic geholt habe.

Kennt ihr den Begriff “comfort women“? Kalt ins deutsche übersetzt, heißt es “Trostfrauen” und steht für jene Frauen, die während des Zweiten Weltkrieges in japanischen Bordellen zwangsprosituiert wurden. Damit wollte man die Soldaten glücklich machen und dafür sorgen, dass diese sich nicht an der Zivilbevölkerung vergehen. Als ob es einen Unterschied macht, ob man Kindern, Halbwüchsige und Frauen entführt, einsperrt und Männern, wie Puppen hinwirft, oder ob diese sich an den Frauen in ihren Wohnungen vergehen. Es bleibt eine Vergewaltigung. Ein Kriegsverbrechen.

grass

Granny Lee Ok-sun war eine jener Mädchen. Ihre Eltern waren mit den zahlreichen Kindern überfordert, zudem wollte Lee Ok-Sun zur Schule gehen. Etwas, was als 13jährige eigentlich zur Pflicht gehören sollte. Allerdings waren das andere Zeiten und Umstände. Glücklicherweise erklärt sich eine Familie bereit, das Mädchen aufzunehmen und sie zur Schule zu schicken. Sie freut sich tierisch darüber, schließlich möchte sie sich endlich bilden. Abes es kommt anders…

Sie muss arbeiten. Tagein. Tagaus. Ein billiges Dienstmädchen für alles und die Schule rückt in weite Ferne… Irgendwann beschließt sie zu flüchten und wird von japanischen Soldaten verschleppt. Hilflos ist sie ihnen ausgesetzt und wird gemeinsam mit anderen Mädchen in einen Raum gesperrt. Kurz darauf wird sie gnadenlos in dem Raum voller Mädchen von Soldaten vergewaltigt. Nicht nur sie. Ein Albtraum beginnt, aus dem sie sich selbst nicht befreien kann.

Eckdaten (Anzeige)

480 Seiten (engl.)
Juni 2019 veröffentlicht bei Drawn & Quarterly*
Einzelband
Schwarz/Weiß
von Keum Suk Gendry-Kim (Writer) + Janet Hong (Translator)

ausführlich besprochen im Comicklatsch Folge 25*

der Zweite Weltkrieg hat viele Gesichter, auch in “Bald sind wir wieder zu Hause*”

Man geht davon aus, dass bis zu 300.000 Frauen im Zweiten Weltkrieg dieses Leid erleben durften. Die Frauen sind bis in die Gegenwart stigmatisiert und von der Gesellschaft verstoßen. Als ob sie sich dieses Schicksal selbst ausgesucht hätten… Nur wenige sprechen bis heute offen darüber. Zum Glück gehört Lee Ok-sun dazu und zum Glück hat Keum Suk Gendry-Kim sich ihrer angenommen und dieses autobiografische Werk zu Papier gebracht.

Damit der Gang durch diese Geschichte nicht zu schmerzhaft wird, hat die Künstlerin einen Stil genutzt, der alles etwas auflockert und die schweren Brocken gelegentlich beiseite schiebt. Eine junge Frau will eine der “Comfort Women” in einer Art Seniorenresidenz interviewen. Nach kurzem überlegen versucht sie ihr Glück bei Granny Lee Ok-sun. Es dauert etwas, bis sie warm läuft und dann sprudelt es nur so aus ihr heraus. Dieser Wechsel zwischen Gegenwart und dunkler Vergangenheit entspannt die Situation, nimmt ihr aber nicht die Schwere, die auf dem Verbrechen liegt.

Ich kann diesen Comic nur jedem empfehlen, der sich mit der Thematik auseinander setzen möchte und muss und sollte. Eigentlich gibt es hier keine Option. Schweigen kommt einem Ignorieren gleich. Nur weil es in Korea stattfand, sollte man es nicht minder Vergessen und dieses schreckliche Kriegsverbrechen endlich anerkennen. Selbst wenn man der englischen Sprache nur schwach mächtig ist, sollte man hier keine großen Probleme haben. Mit etwas Glück werden deutsche Verlage auf das Werk aufmerksam und es wird bald ins Deutsche übersetzt. Das wäre ein Glücksfall. Und keine Sorge, es werden keine Details gezeigt. Bei den Misshandlungen sind es eher die Gedanken, die das Geschehen dominieren, umhüllt von Schwärze.

grass

 

2 thoughts on “|Comic| “Grass”

  1. Wie Du ja weißt, höre ich gerade nebenbei Euren Podcast. Du weißt auch, dass ich für asiatische Comics/Mangas nicht wirklich zu begeistern bin, aber diesen Comic muss ich haben. Über diese historischen Ereignisse weiß ich tatsächlich fast nichts und wie Du schon im Podcast sagst – es darf nicht verschwiegen werden, bzw. nicht in Vergessenheit geraten.
    Tja, jedenfalls ist der Comic jetzt auf meiner WL. Du machst mich noch arm!! XD

    1. Soll ich so eine Spenden-Sammel-Dose hier aufstellen und dir das Geld zukommen lassen?
      Geh ich an die Haustüren der Omis hier und frage nach Geld für die Aaaaaarrrrme Conny?
      :P

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