Alles austeigen!

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|| Ich begrüße hiermit alle zugestiegenden Reisenden. Bitte beachten Sie die Sondervorkehrungen, die für diese Reise gelten. Wer heute morgen nicht die verschriebenen Tabletten geschluckt hat, sollte das schleunigst nachholen. Die Übelkeit wird Ihnen sonst den kompletten Aufenthalt verderben. Zeitreisen sind schließlich nicht ungefährlich. Und nun lehnen Sie sich zurück, schnallen sich an und genießen die kommenden Stunden!||

Altsteinzeit. 14.000 vor Christus in Dietfurt. Zwei junge Erwachsene, das Geschlecht ist nicht eindeutig erkennbar. Man tippt auf junge Frauen. Nah beiandern, teilten sie ihr Schicksal über den Tod hinaus: Enthauptung. Zahlreiche Schnitte und Einkerbungen im Nacken belegen eindeutigt, dass hier gezielt der Kopf vom Körper getrennt wurde. Wofür? Mordlust? Gewinnung von Essensschalen? Ähnliche Funde mit Schädelschalen, die nicht zufällig, sondern gewollt in Form gebracht wurden, lassen darauf schließen.

Man kann seiner Fantasie jetzt freien Lauf lassen. Rituale, praktische Zwecke, Blutexzesse? Wer weiß? Das Geheimnis behalten die Knochen für sich. Nur deren makabere Herstellung nicht. Springen wir in die Mittelsteinzeit. Flache Mulden in Holheim, ausgefüllt mit zahlreichen drapierten Menschenschädeln, lassen die Anthropologen erstaunt aufhorchen. Nahezu jede Alterklasse ist vorhanden. Niedergeschlagen mit Steinbeilhieben oder anderen Gegenständen, die starke dumpfe Gewalt ausüben können. Auch hier wurden die Schädel zielgerichtet von den Körpern getrennt. Ein Massaker in der Steinzeit.

mord und totschlag

|| Wie sie merken, waren Enthauptungen ein gern gesehenes Mittel. Wer genau wissen möchte, wie man in so einem Fall vorgeht, der kann unseren charmanten Zugebleiterinnen einen dezenten Hinweis geben. Die Anleitung liegt uns vor. ||

In der Steinzeit hatten sich alle lieb? Lebten in Höhlen oder kleinen Hütten, sammelten Beeren und jagten Wild? Wenn es doch nur so wäre. Da werden Bauern hinterhältig überfallen und ermordet. Achtlos in einen Graben geschmissen und somit den Tieren zum Fraß vorgeworfen, bevor ihre Knochen endlich in der Erde ihren Frieden fanden. Was einzelnen fleißigen Männern geschah, konnte genauso gut einer kompletten Gemeinschaft passieren.

Man wartete auf einen günstigen Zeitpunkt. Wenn die Dämmerung einsetze und trotzdem ein gutes Sichtfeld die “Jagd” optimierte. Mit gezielten Pfeilen in Bauch, Wirbelsäule und das Herz, wurden die Stärksten außer Gefecht gesetzt. Dann die Jüngeren und die Kleinkinder verschleppt. Verscharrt in einem Massengrab machte man die Tat unsichtbar. Nicht für Anthropologen. Tausende Jahre später sind die grausamen Taten immer noch nachvollziehbar. Schlampige Vertuschungsarbeit!

Eckdaten zum Buch:

*umfasst Fälle aus der Altsteinzeit (20.000 v.Chr.) bis in die Neuzeit, Schwerpunkt liegt in der Steinzeit
*Schreibweise ist angenehm und nicht lehrbuchmäßig
*teilweise unterlegt mit Bildern (schwarz/weiß oder in Farbe)
*mit leicht ironischem Unterton (oder ich habe da zu viel reininterpretiert… mmmh)
*Anleitungen, wie man einen Kopf richtig vom Torso trennt (ja, wirklich)

mord und totschlag

Wir nähern uns nun dem Ende der Reise. Was haben wir dabei gelernt? Richtig, dass Gewalt bis in Urzeiten zurückreicht und selbst dort nicht immer einem höheren Zweck diente, sondern wohl teilweise eher der Mordlust. Anthropologie ist ein äußerst interessantes Thema und gar nicht so staubtrocken und zäh, wie man vermuten mag. Wer auf den Geschmack gekommen ist, findet hier einen guten Einstieg. Es ist nicht laienhaft (zum Glück) aber auch nicht zu wissenschaftlich erklärt. Selbst wenn Fachbegriffe fallen. Der Autor leiset ganze Arbeit und erklärt es verständlich.

Ein Zitat möchte ich noch vorlesen: “Samstag, der 5.März 1983, war Pflanztag im Gemüsegarten des Aussiedlerhofs der Familie Schoch bei Talheim. Nachdem die Salatköpfe in den Vorjahren immer wieder an die Glasabdeckung angestoßen und in der Sonne verbrannt waren, sollte das Frühbeet tiefer ausgehoben werden. Kaum hatte der Hausherr den Spaten angesetzt, stieß er auf einen Kieferknochen. Als Landwirt und Jäger erkannte er sofort, was er gefunden hatte: keinen vor langer Zeit verlochten Tierkadaver, sondern ein menschliches Gebiss. […] Zumindest war – wie er Schoch sen. trocken registrierte – erst einmal geklärt, warum der Salat so üppig gewachsen war.” (S.49)

> Ich gebe mein Wort zurück zu Conny* in deren Reiseführer noch eine Menge geschehen wird, in den kommenden Wochen.

mord und totschlag

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#TrueCrimeSummerWorldTrip

Hotspot? Steinzeit? Glaub da verirrt sich kaum einer hin, außer Dr. Emmett

Gewalt? holy, unsre Vorfahren gingen brachial vor

Kosten? für wenige Euronen kann “Mord und Totschlag” z.B. hier* erwerben (oder gebraucht)

Wert? gute 200 Seiten Steinzeitkost

Goodie? einfach hier* einen Blick hineinwerfen, da gibt es noch mehr fürs Geld


letzter Halt davor in Farmington beim “Monster Slayer


 

3 thoughts on “|Aktion| “15.000 Jahre Mord und Totschlag”

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