Japans Spezialitäten für Nudel-Nerds

Sarah Gavigan ist eine Frau, die so gar nicht in das typische Bild passt, wenn man sich einen Koch oder Köchin vorstellt, sobald das Wort “Ramen” fällt. Sie ist italienisch-amerikanischer Abstammung und lebt in Nashville. Seit jeher liebt sie es zu kochen und war stets auf der Suche nach neuen Zutaten und Rezepten. Irgendwann stolperte sie über das typische japanische Gericht “Ramen”. Quasi eine japanische Nudelsuppe mit besonderem Touch.

Das Problem war allerdings: Sie fand kein gutes Restaurant. In den 90ern war diese Spezialität noch nicht wirklich in Amerika angekommen. Nachdem sie dann einen netten Seitenhieb von einer Freundin bekam, sie solle doch selbst anfangen zu kochen, gab es kein Halten mehr. Misserfolge häuften sich genauso, wie Erfolge. Zudem war Sarah Hobbyköchin. Den Beruf hatte sie nie gelernt. Was ja nicht heißt, dann man nicht offen für neue Möglichkeiten sein sollte. Als sie dann die ersten Suppen serviert und die strahlenden Gesichter sieht, ist sie sich sicher: Sie macht es weiter!

ramen

Genau über diesen Weg, ihre Entwicklung und ihre Erfahrungen, ist dieses Buch geschrieben. “Ramen Otaku” ist kein reines Kochbuch. Stattdessen gibt es anfangs viele Berichte, Interviews und Informationen zu klassischen Zutaten, die man verwenden kann. Allen vorran natürlich auch den verschiedenen Nudelarten. Hier sollte man deutlich über den deutschen Tellerand hinausschauen und einen Asialaden besuchen.

Inhalt:

1 Meine Reise, um ein Ramen Otaku zu werden
2 Umami
3 Ramen-Grundlagen
4 Ramen – Die Geschichte und die Welt
5 Nudeln
6 Brühe
7 Fette und Öle
8 Tare
9 Toppings
10 Ramen-Stile und Rezepte
11 Ramen für Fortgeschrittene

Als Ramen-Liebhaberin war ich verdammt neugierig auf das Buch. Wüde ich hier neue Dinge kennenlernen, mein Wissen erweitern und andere Rezepte ausprobieren können? Ist das Buch für mich einer Bereicherung? Oder eher eine Auffrischung und mir wird nichts Neues erzählt? Man muss dazu sagen, wenn ich ein neues Kochbuch bekomme, dann stöbere ich sofort nach den Rezepten und schaue, was ich nachkochen kann. Das habe ich  hier nicht gemacht.

Nicht, weil mich das Buch langweilte. Eher, weil die Rezepte mir keinen neuen Input gaben. Nachdem ich vorne Hintergrundinfomationen gelesen und mehr über die Köchin Sarah erfahren hatte, wagte ich einen erneuten Blick auf die Rezepte. Es hatte sich nichts getan. Ich bin wohl schon zu tief in der Materie drin, um hier – in diesem Buch – noch neue Geschmackserlebnisse zu erfahren. Zudem bezitze ich bereits japanische Kochbücher. Für jemanden der allerdings auf diesem Gebiet ein kompletter Noob ist und nicht weiß, wie er Ramen anpacken soll, der wird hier glücklich werden.

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Ein wenig zu meiner Ramenliebe, damit man meinen nächsten Kritikpunkt etwas besser versteht: Ich liebe Ramen. Anfangs hab ich mich fast stur an Rezepten aus Blogs entlang gehangelt, ohne etwas selbst zu testen. Ich fühlte mich noch nicht sicher mit der Materie. Dann probierte ich in Düsseldorf bei einem Japaner “echte” japanische Ramen, sah die Speisekarte und es machte *klick*. Es gibt kein richtig oder falsch. Es gibt eine Basis und der Rest richtet sich nach dem persönlichen Geschmack.

So koche ich für meine Ramen meist eine Gemüse-, Hühnerbrühe oder Misosuppe als Basis. Als Nudeln bevorzuge ich Udon oder Soba Nudeln. Und die Toppings? Die bestehen zu 90% aus diversen saisionalen Gemüsesorten. Gebraten, gekocht oder roh. Eingelegt, kräftig gewürzt, eher mild, mal süß,  sauer oder scharf. Als Goodie Hühnerfleisch, Linsenbällchen oder Ei (gekocht oder gebraten). Was ich besonders mag, ist der Mix der komplett unterschiedlichen Komponenten, die sich dann im Mund vermischen. Daher ist mein Brühe auch nie zu stark gewürzt. Der Gaumengenuss soll von den Toppings und den Nudeln kommen.

Eckdaten (Anzeige)

192 Seiten (dt.)
April 2020 veröffentlicht bei Unimedica*
Paperback
(Rezept)Bilder in Farbe
von Sarah Gavignan + Ann Volkwein

Diese Experimente habe ich in den Rezepten ein wenig vermisst. Natürlich sind diese nicht langweilig! Es gibt besondere Marinaden und Zubereitungen für Fleisch und Brühe, aber der persönliche Touch fehlte. Die Aufmunterung selbst aktiv zu werden. Und – das hat mich etwas verwundert und ich habe keine Begründen in dem Buch gefunden – Rind wird komplett außen vor gelassen. Dabei ist gerade Rind eine äußerst beliebte Ergänzung und ergibt eine kräftige Brühe.

Fazit: Für aktive Ramen-Liebhaber ist das “Ramen Otaku” keine Bereicherung. Für manch einen könnten zudem die zahlreichen Hintergründe und Interviews etwas erschlagend wirken, bevor es endlich an die eigentliche Materie geht. Wer von Ramen so gar keine Ahnung hat, der könnte hier glücklich werden.

Tipp: Wer einmal in Netz stöbern möchte, der ist bei 1mal1Japan* und RyoKoch* für einen ersten Einblick in die Ramen-Küche gut aufgehoben. Oder mich fragen ;)

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