“Er wollte mich zur Nummer fünfundfünzig machen […]”(S.16)

Australien. Outback. Sengende Hitze. Voller Panik und sichtlich angeschrammt, kommt ein Mann in die Polizeistation von Wilbrook gestolpert. Die Panik in seinen Augen ist förmlich greifbar. Hektische Blicke nach rechts und links. Er fühlt sich verfolgt. Umgeben von den anwesenden PolizistInnen kann er erstmals tief durchatmen und berichtet von der misslichen Lage.

Er wurde gefangen. Entführt von einem Mann, der anfangs ganz nett schien und sich plötzlich in ein Monster verwandelte. Angekettet und gedemütigt wartete Gabriel bereits auf den Tod durch seinen Peiniger. Glückliche Umstände sorgten für seine Flucht. Leider bemerkt und somit durch die karge Landschaft verfolgt. Ausgemergelt liefern sich die beiden Männer ein Kräftemessen um Leben und Tod.

Chandler Jenkins, Polizeichef der Stadt Wilbrook, hört sich die Geschichte von Gabriel genau an. Man versorgt ihn, gibt ihm Halt und organsiert letztlich ein Zimmer im städtischen Hotel, damit er sich erholen kann. Alles wirkt logisch und nachvollziehbar. Dort draußen rennt ein Mörder herum. Möglicherweise ein Serienkiller, der bisher unerkannt seinem makaberen Werk nachgehen konnte. Doch dann…

…taucht noch ein Mann auf. Er sagt er wird von einem Killer gejagt und brauche Schutz. Mit seinen letzten Kraftreserven hätte er es in die Stadt geschafft. Er wäre ein Opfer. Geflüchtet vor einem brutallen Mörder, dessen fünfunffünzigstes Opfer er werden sollte. Ehm… und täglich grüßt das Murmeltier?

| Chandler stoppte die Aufnahme. “Killer stellen sich nicht vor.” (S.109)

Wer hat denn nun recht? Wer ist ein grandioser Schauspieler und tanzt den Beamten auf der Nase herum? Bei mir hat sofort der Scanner eingesetzt. Ich habe jedes Wort der beiden analysiert, ihre Handlungen beobachtet und wollte vor allen anderen wissen, wer der Täter ist! Schlau eingefädelt, Herr Delargy, schließlich hat der Autor die Fäden in der Hand und nicht ich. Änderte nichts an meinem Leseelan. Denn recht schnell hatte ich eine Vermutung. Es dauert jedoch etwas, bis die Auflösung kommt (gut so) und man bei einem großen Finale die Lösung präsentiert bekommt.

Ich bin ein großer Fan von Garry Disher. Ebenfalls ein australischer Autor, der mich immer mit seinem rauen Flair einfängt. Ähnliches habe ich mir bei diesem Buch “55 – Jedes Opfer zählt” erhofft. Tatsächlich hat mich James Delargy mit seinem Schreibstil packen können. Er ist nicht Disher, kann aber ebenfalls das australische Feeling aufbauen. Im Laufe der Geschichte baut er stetig mehr Twists ein, die gut für den Lesefluss sind. Auch wenn ich manche Charaktere gelegentlich gerne gefragt hätte, wieso sie gerade SO HANDELN müssen…

55 – ist ein guter Krimi, der in keiner guten Krimi-Stube fehlen sollte
55 – meint einen in die Irre führen zu können
55 – weil jedes Opfer zählt
55 – hat ein Ende nach dem Ende, was alles perfekt abrundet


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VÖ: erschienen Oktober 2020 bei Heyne*

Eckdaten: Einzelband / 415 Seiten / Debütroman

meine Meinung zu “Gier” von Garry Disher

 


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