“Es ist kein Schiff. Es ist ein Eisberg. Oh, dem Himmel sei Dank.”(Buchbeginn)

Eine Frau sucht intensiv das Meer ab. Jedes Objekt, welches im Wasser schwimmt, wird genau untersucht. Obwohl sie die Zeiten der Schiffe kennt, die anlegen. Genau weiß, wann sie ablegen und mit ein paar kleinen Nachforschungen, erfährt sie auch die Passagierliste. Doch die Angst ist groß. Extrem groß. Es ist ihr Ehemann, vor dem sie sich versteckt. Konnte er wirklich so gerissen sein und sie bis zum Südpol verfolgen?

Südgeorgien. Felicity ist Glaziologin und ihr größter Traum war es stets, sich auf dieser kleinen Insel hier quasi im Winter einfrieren zu lassen und Gletscher zu untersuchen. Also nutze sie die Notsituation, packte die Gelegenheit beim Schopfe und zog hier hin. Das letzte Schiff der Saison naht. Sie ist unruhig. Lässt sich die Namen der Reisenden geben. Freddie. Sie geht die Liste noch einmal durch. Der Name verschwindet nicht. Er kommt.

Wow. Okay. Sie finden sich, es gibt ein Kampf um Leben und Tod und das Buch ist vorbei. Pustekuchen. Wer Sharon Bolton kennt, weiß, dass nie das Offensichtliche die Wahrheit ist. Der Verlauf der Geschichte kommt hier an einem ersten Höhepunkt an. Einer von vielen. Denn es gibt Einblicke in die Vergangenheit. Wie wurde Felicity zu der Person, die sie heute ist. Wieso hat sie überhaupt Angst vor ihrem Mann. Was ist damals passiert.

| Während sie gegen den heftigen Drang ankämpft, ins Schlauchboot zu springen und aus der Bucht zu rasen, beobachtet Felicity zitternd, wie das erste Boot zum Ablegen bereitgemacht wird.” (S.57) |

In unregelmäßigen Abständen wechselt die Autorin zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Man sieht die junge Frau irgendwann mit ganz anderen Augen, fiebert stetig mit, was da noch alles geschehen wird und fragt sich natürlich, ob sie heile aus der ganzen Sache heraus kommt. Da beide Erzählstränge sich immer mehr annähern mit ihren Wahrheiten, steigert das ungemein die Spannung und den Lesefluss. Ich klebte förmlich an den Wörtern und sehnte das erlösende Ende herbei. Im positiven Sinne.

Sharon Bolton kenne ich seit mehreren Jahren. Eine Weile kamen ihre Werke nur bruchstückhaft in Deutschland an, was sich zum Glück geändert hat. Mein Dauerfavorit wird wohl ihre Lacey Flint Reihe bleiben (ich werde nicht müde, das zu erwähnen, hüstel), dennoch braucht man die Einzelbände nicht von der Bettkante zu schubsen. Allein mit diesem Werk “Dein kaltes Herz” hat sie erneut ihr Geschick des Storytellings gezeigt. Für mich ist es jedes Mal eine Freude in ihren Geschichten mitsamt authentischen Charakteren (starken Frauen) vollständig abtauchen zu könen.

Hier ist nichts wie es zunächst scheint. Man sollte immer einen Menschen genauer kennenlernen, bevor man über ihn und seine Beweggründe urteilt.

Ein Lesetipp!

dein kaltes herz


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VÖ: erschienen September 2020 bei Goldmann*

Eckdaten: Einzelband / 480 Seiten / Original “The Split”

meine Meinung zu “Im Visier des Mörders”  oder “Er liebt sie nicht

 


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