Hereinspaziert in meine Gedanken zu dem Hörbuch “Der Junge aus dem Wald” von Harlan Coben.

Harlan Coben und ich kennen uns nicht. Also nicht persönlich. Allerdings sind mir ein paar seiner Werke vertraut. O und er hat einen flauschigen Hund. Zudem mag ich die Serienumsetzungen von ihm. “Safe” und “Ich schweige für dich” sind zwei Adaptionen, die auf Netflix laufen.

Der Anfang

Fiel mir gar nicht so leicht. Was nicht einmal an dem Buch selbst lag. Eher an dem Sprecher. Er legt eine gewisse Haltung in die Stimme, die einen ungewollt die Figuren (die man ja noch nichtmal kennt) in Schubladen stecken lässt.

Da ist sie Anwältin Hester Crimstein. Eine etwas ältere Dame, die nicht nur Anwältin ist, sondern auch in TV-Shows auftritt. Sie ist eigen, hat immer einen Spruch auf den Lippen und weiß Gott nicht auf den Kopf gefallen. Ich fand sie anfangs absolut unsympathisch und arrogant.

Wilde. Bitte englisch aussprechen. Weild. Ist der Junge aus dem Wald. Im Prolog wird kurz auf seine “Herkunft” eingegangen. Jetzt drehen wir einmal kräftig an der Uhr. Dreißig Jahre später ist Wilde Privatermittler. Recht erfolgreich. Und lebt immer noch abgeschottet irgendwo im Wald. Diese Wurzeln haben ihn nie losgelassen. Er ist der ruhige Typ. Ganz um Coben Stil ausgebildet, schlau und auf dem neusten Stand der Technik. Für mich war ein anfangs ein Neutrum. Ich konnte ihn nicht ganz einordnen. Was wohl auch daran lag, dass vor allem die Anwältin viel Spielraum einnimmt.

Naomi. Das Mädchen steht bald im Mittelpunkt. Okay. Eigentlich steht es ziemlich direkt im Mittelpunkt, denn sie verschwindet. Man ist verwirrt. Vor allem ihre Freunde. Aber zeitgleich ist die Sorge der anderen nicht panisch. Das lässt einen skeptisch werden. Alles ein Spiel? Will Naomi etwas erreichen? Was auch immer es ist, es kommt noch schlimmer. Einordnen kann man sie zunächst schlecht, ahnt aber, dass ihr privates Umfeld und das Mobbing in der Schule eienn starken Einfluss auf ihren Charakter haben.

Kleine Info vorweg: Das Buch besteht aus mindestens 2 Teilen.

Matthew ist ein Schüler. Wilde ist sein Patenonkel. Er kennt Naomi und er hat hat ihr Verschwinden seinem Onkel gemeldet. Was diesen natürlich sofort aktiv werden lässt und recht schnell ist der Fall geklärt. Matthew selbst wirkt unscheinbar. Ein Mitläufer ohne Arsch in der Hose. Ob sich das noch ändert?

Der zweite Fall

Ich bin grad mittendrin. Nachdem der erste Fall gelöst ist, geht es weiter. Erneut ein Vermisstenfall und während man dort herumwühlt und sucht, wird noch jemand vermisst. Das klingt alles kurios … und inzwischen habe ich da so einen Verdacht, warum die Zwei verschwunden sind.

Die Anwältin ist mir bisher nicht sonderlich sympathischer geworden. Sie wird noch näher vorgestellt, mitsamt Privatleben. Why? Ich will Wilde!  Ich hatte sogar extra nochmal geguckt, ob sie im Mittelpunkt steht oder Wilde. Aber das Buch heißt ja “Der Junge aus dem Wald”, nicht “Die Staranwälting aus dem Fernsehen”.

Was ich gut finde, wie moderne Technik oder Genderrollen mit eingebaut werden. Äußerst sympathisch Herr Autor!

Was ich nicht so toll finde: Man kommt so spät zu Potte. Dreht sich gern im Kreis. Wenn dann an Tempo gewonnen wird, bin ich voll dabei und ärgere mich innerlich leicht, wenn es durch einen Perpektiv- oder Szenenwechsel komplett entschleunigt wird.

Aktuell sind circa 70% gehört. Nervenaufreibend ist das Hörbuch nicht, aber unterhaltsam, daher höre ich weiter.

Endspurt

Ein kleiner Spaziergang, ein wenig Abwasch und eine Katzenkloreinigung später hatte ich das Hörbuch beendet. Schneller als von mir erwartet. Es entwickelt sich alles zu einem Finale hin, was fast genauso kommt, wie erwartet. Nein, meine Glaskugel hat mir das nicht verraten. Allerdings arbeitet Coben gerne nach einem gewissen Schema seine Bücher ab (zumindest in denen, die ich bisher kenne), was nicht schlimm sein muss, nur kennt man so seine Vorlieben.

Die Anwältin rückt für meinen Geschmack in dem Buch zu sehr in den Fokus. Ich hatte das Gefühl, dass der Junge aus dem Wald – also Wilde – viel zu kurz kommt. Er ist ein ruhiger Charakter, was ich mochte, hat allerdings gegen die Anwälting keine Chance. Zwar hat er noch seinen großen Auftritt am Ende, zum Glück, aus dem mächtigen Schatten von Hester schafft er es jedoch nicht.

Die Geschichte ist rund. Sie ist kein Thriller im herkömmlichen Sinne. Es ist eher ein Roman über das Schicksal diverser Menschen mit Thrill-Elementen. Die angesprochenen Themen sind aktuell und berührend. Wie oben schon erwähnt, mag ich die Aktualität, die Coben einbaut.

Es hat wieder Spaß gemacht einem Buch von Harlan Coben zu lauschen. Für mich kein Pageturner, dafür nette Unterhaltung für Spaziergänge oder eingemummelt auf der Couch. Jetzt brauch ich ein Jahr Pause, sonst langweilt mich das nächste Buch von ihm ungewollt, da ich seinen Stil zu sehr verinnerlicht habe.

junge aus dem wald


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Hörbuch erschienen August 2020 bei RandomHouse Audio*

Ein Einzelband – Laufzeit 627 Minuten – Sprecher Detlef Bierstedt


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4 thoughts on “|Hörtagebuch| “Der Junge aus dem Wald”

  1. Ich habe noch nichts von Harlan Coben gelesen, bin aber auf Instagram schon auf ihn gestoßen. Hast du einen Tipp, was man vielleicht als erstes von ihm liest?

    Liebe Grüße,
    Melanie

    1. Was du als erstes liest, ist eigentlich vollkommen egal.
      Er baut brisante, aktuelle Themen von jeher mit ein.
      Fast alle Bücher sind Einzelbände.

      Er hat “nur” zwei Serien.
      Die eine startet mit “Das Spiel seines Lebens” und die andere mit “Der schwarze Schmetterling”.
      Da die beiden quasi aufeinander aufbauen, erst mit dem Spiel anfangen, solltest du eine Reihe nehmen.
      Ansonsten nehm irgendeinen Einzelband.

      https://www.randomhouse.de/Autor/Harlan-Coben/alleTitel32953.rhd

  2. Huhu meine Feine, also eigentlich wollte ich den Titel nicht im Fokus haben. Ein Buch von ihm kenne ich und das war mir zu 0-8-15, doch gerade, dass du schreibst, es sei eher ein Roman, macht mich doch wieder neugierig, vor allem im Fokus das Schicksal verschiedener Menschen … warum muss immer Thriller drauf geklatscht werden. Ich behalte es mal als Hörbuch im Hinterkopf.

    Was die Serien angeht, habe ich beide gern geschaut (=
    #litnetzwerk-Grüße!

    1. Hab dir ne PN geschickt :3

      @ Thriller, joah, deshalb ist mir das Label eigtl egal inzwischen. Sind halt Thrill-Elemente drin, also darf es sich so nennen. Hab nur noch bei gewissen AutorInnen Erwartungen, aber nicht mehr beim Genre.

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