von Yoko Ogawa

[auf der Shortlist “The 2020 International Booker Prize”]

Ich bin richtig stolz auf mich. Wir haben Februar noch nicht einmal rum und ich habe mein zweites englisches Buch für dieses Jahr gelesen. Das dritte steht bereits in den Startlöchern. Da werden wohl locker die 12 Bücher dieses Jahr drin sein. (Man hört den englischen SUB vorsichtig jubeln.)

The Memory Police ist erstmal im Original 1994 erschienen. Auf dem englischen Markt kam es dann 2019 und ein Jahr später, unter dem Titel “Insel der verlorenen Erinnerungen”, in Deutschland heraus. Es geht um die Bewahrung von Erinnerungen und der eigenen Meinung. Auf einer Insel sorgt die Polizei dafür, dass Vorschriften und Änderungen eingehalten werden. Wer dem nicht Folge leistet, wird die Konsequenzen zu spüren bekommen.

Eine junge Frau, Schriftstellein von Beruf, verlor ihre Mutter durch die Memory Police. Dabei fing es ganz harmlos an. Ein Gegenstand verschwindet, wie das Radio. Man darf nicht benennen, Radios werden eingesammelt und verbannt. Vögel, an dem einem Tag sind die noch da und plötzlich verschwunden, somit muss alles Gedankengut daran ebenfalls eleminiert werden. Ihre Mutter hielt sich nicht immer daran. Anfangs kleine Verwarnungen, geht die Polizei immer radikaler vor und nach einer Verhaftung kommt ihre Mutter als Leichnam zurück. Herzversagen.

Parallel zur Gegenwart, bekommen wir einen Einblick in die Geschichte, die die Schriftstellerin aktuell verfasst. Dort geht es um eine Frau, die ihre Stimme verloren hat und mit der Zeit immer mehr selbst verblasst, da sie nicht mehr wahr genommen werden. Sie hört auf zu existieren. Noch ist der innere Wille stark, aber ob sie ihn bis zum Ende aufrecht erhalten kann?


VÖ: 2019 bei Penguin uk* // Genre: Roman // Seiten: 274

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Die Geschichte in der Geschichte, spiegelt durchaus die Gedankenwelt der jungen Frau wieder. Denn sie will ebenfalls nicht vergessen. Rosen, so wunderschöne Pflanzen, einfach weg. Menschen, ganze Familien, plötzlich weg. Wer übrigens dabei hilft andere zu verstecken, sollte sich nicht erwischen lassen. Doch ihr ist das egal, sie WILL helfen und bietet einer ihr wichtigen Person eine Bleibe an. Damit setzt sie sich bewusst einer Gefahr aus. Widerstand. Der Leben retten kann. Widerstand. Der Erinnerungen behütet.

Der Schreibstil von “The Memory Police” ist dabei – ganz Yoko Ogawa – sanft und mitreißend. Mit wenigen Worten erzählt sie hier so viel und greift ein brisantes Thema auf, was nie seine Aktualität verliert. Wer sich dem hingeben kann, wird ein unterhaltsames und zugleich trauriges Buch bekommen. Wenn man denkt, es kann nicht mehr schlimmer kommt, setzt Yoko Ogawa noch einen i-Punkt drauf.

weitere Werke von Yoko Ogawa:

Schwimmen mit Elefanten
oder
Das Geheimnis der Eulerischen Formel

eine weitere Meinung zu “The Memory Police” gibt es bei Bettina von Bleisatz*

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