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Ein Einblick in eine lesenswerte Graphic Novel.

Wenn man “Anyas Geist” zum ersten Mal durchblättert fällt einem direkt der schlichte, klare Zeichnstil auf. Erinnert hat mich das in erster Linie an “Persepolis” – ebenfalls eine Graphic Novel (auch animiert bereits erschienen), in der es unter anderem um die Integration in ein neues Land und dem Umgang mit seinen eigenen Kultur geht.

In beiden Werken wird die Welt aus der Sicht eines jungen Mädchens dargestellt. Ist es bei “Anyas Geist” nur ein Auszug aus der Jugend, geht es bei “Persepolis” bereits etwas weiter und ein halbes Leben der Hauptfigur vom Kind bis zur jungen Dame wird wiedergegeben.

Inhaltlich geht es – wie der Titel schon verrät – um Annuska “Anya” Borzakovskaya, einem 14jährigen Mädchen, dass vor geraumer Zeit mit ihrer Familie nach Amerika gezogen ist.

Ihre Mutter ist stolz auf ihre russische Herkunft und kocht entsprechend viel deftiges aus ihrer Heimat, was der “Ich bin zu dick”-Phase von Anya natürlich überhaupt nicht in den Kram passt, Ebenso der nervende kleiner Bruder, der um ihre Aufmerksamkeit buhlt, doch sie zieht sich lieber zurück und schwelgt in Phantasien und Hoffnungen für ihren Schwarm. Auf einem ihrer Streifzüge durch den Park, übersieht sie – dank ihrer Grübelein – einen alten Brunnenschacht und stürzt hinein. Dadurch lernt sie den Geist der verstorbenen Emily kennen, der seit fast 100 Jahren in dem Schacht gefangen ist.

Nach einem kurzen Moment der Skepsis, freundet sich das ungleiche Paar an und gemeinsam bestreiten sie den Alltag. Was nicht selten zu komischen Situationen führt. Doch mit der Zeit stellt man fest: Emily ist nicht das brave Mädchen, was sie vorgibt zu sein! Als das auch unsere Hauptfigur merkt, ist es schon fast zu spät den Geist wieder los zu werden.

Der Comic ist ab 13 Jahren angesetzt, entsprechend erwartet man keinen schlichten Mädchenkram, sondern eine Geschichte, die etwas tiefer geht.

Weitestgehend wird einem dies auch geboten. Durch das Auftauchen von dem Geist, prallen zwei unterschiedliche Charaktere aufeinander, die einem schnell klar machen, dass zum einen das Brave seine Vorzüge hat und Gespräche viel bedeuten (Emily), aber eben auch das rebellische Wesen, was viel auf die persönliche Optik setzt und glaubt das ist das Maß aller Dinge (Anya).
Im Laufe der Geschichte werden jedoch Anya die Augen geöffnet und die beiden scheinen ihre Charakterzüge zu tauschen.

Es wird einem also eine gute, kurze, knackige Geschichte geboten, die durch den schnörkellosen Zeichenstil sehr gut unterstützt wird. Die beiden Auszeichnungen (Eisner Award 2012 & Harvey Award 2012) wird die Autorin sicher nicht unverdient bekommen haben, dennoch hätte man sich mehr Tiefe gewünscht, gerade weil die Grundthematik an sich nichts Neues ist.

Das Buchformat und das Cover sind sehr ansprechend und sollten bei dem ein oder anderen neugierigem Buchladenstöberer das Interesse wecken, denn lesenswert ist die Graphic Novel auf jeden Fall!

anyas geust


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Genre: Graphic Novel / VÖ: Feb 2014 / Verlag: Tokyopop / Serie: Einzelband


 

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