“Ich habe irgendwo gelesen, dass Gefangene in der Todeszelle kurz vor der Hinrichtung eine Zigarette und ein Daifuku* zugesteckt bekommen.

Tadaharu Mishima hockte etwas abseits und verspeiste ein Daifuku*.” (Buchbeginn)

Als eines Tages der Polizei eine abgetrennte Hand in die Hände fällt. Dazu ein äußerst blutüberströmter Innenraum eines Kleinwagens und irgendwie der restliche Körper spurlos verschollen scheint, haben die Beamten mächtig zu grübeln, was da wohl vorgefallen ist. Sofort werden einige Ermittler darauf angesetzt, um den Täter und natürlich das Opfer zu finden. Mit dabei ist Reiko Himekawa. Zusammen mit ihrem Kollegen Ioka sucht sie Zeugen der scheußlichen Tat.

Schnell wird klar, dass das Opfer ein älterer Mann zu sein scheint, der eine kleine Baufirma besitzt. Sein Mitarbeiter Mishima bestätigt, ihn tags zuvor noch frisch und munter angetroffen zu haben. Könnte der junge Mann seinen Chef ermordet haben? Trotz vieler Punkte, die gegen ihn sprechen, wird er im Auge behalten. Man recherchiert weiter und stößt auf kuriose Selbstmorde. In unregelmäßigen Abständen sind Menschen verstorben. Bei einem Sturz vom Baugerüst. Pure Zufälle?

“Im Baugewerbe zu arbeiten ist kein Zuckerschlecken. man muss kräftig zupacken, darf dabei aber keine Fehler machen.” (S.113)

Irgendwann fällt dann das Wort, was immer fällt bei solchen “Unfällen”: Yakuza. Steckt etwa die japanische Mafia hinter all den Taten? Hat das Opfer Schulden nicht beglichen oder gar einen anderen derben Schnitzer gemacht? Je mehr man sucht und wühlt, umso mehr Ungereimtheiten findet man. Bis es plötzlich einen entscheidenden Hinweis gibt. Aber ist deswegen trotzdem der Fall gelöst?

Neben der Tätersuche, hat Reiko wieder arg mit sich selbst und ihrer Meinung über Kollegen zu kämpfen. Sie wird als unnahbare Person dargestellt, die man eigentlich gar nicht mögen kann. Wenn man ihre negativen Gedanken einmal sammelt, hat man den Eindruck, dass die Mordermittlerin wesentlich öfter ihr Leid jemanden mitteilen sollte. Daher baut man auch eher eine Bindung zu diversen Kollegen und Freunden von ihr auf, als zu ihr. Es stellt sich also ein gewisses Gleichgewicht ein und man schlägt nicht genervt von ihrem Hass, das Buch zu.

“Reiko hätte platzen können vor Wut.” (S.78)

“Sie ist eine tickende Zeitbombe. Sie hat keine Ahnung, wie ihr Verhalten auf andere Leute wirkt.” (S.91)

Trotzdem ist es vor allem ihr Instinkt, der sie der Lösung stets näher bringt. Sie rebelliert gegen das strenge geradlinige System und geht ihren eigenen Weg. Das rechne ich ihr sehr hoch an. Immerhin zeigt sie gelegentlich auch menschliche normale Gefühle. Das Eis scheint also zu tauen. Wie man es gerne in Kriminalgeschichten hat, hat sie Gegner und Freunde auf der Polizeistation. Dabei liegt es nicht an ihr als Frau. sondern eher an ihren Methoden, die anecken.

Langweilig wird es bei so viel Temperament auf keinen Fall. Zudem wird der Fall nicht aus den Augen gelassen. Man nähert sich Stück für Stück der Lösung. Als Leser hat man den kleinen Vorteil, dass man Dank der Ich-Perspektive eines Mannes mehr Hintergrundwissen ansammeln kann. Der Polizei ist man jedoch nur unwesentlich einen Schritt voraus, was ich geschickt finde. Stattdessen erfährt man erst an dem Moment den wahren Gedanken des Erzählers, als auch die Polizei ihm auf den Fersen ist.

Letztendlich halte ich das Buch nicht für perfekt, aber für absolut lesenswert. Es ist spannend und unterhaltsam geschrieben. Zudem lernt man viel über die japanische Denkweise kennen. In welcher Hinsicht kann ich leider nicht ansprechen, da es kleiner Spoiler wäre.

Randnotiz: Hier rückt die japanische Ehre und Mafia in den Vordergrund.

*japanische Süßigkeit (Reiskuchen, die gerne zwischen den Mahlzeiten gegessen werden)


Genre: Crime / VÖ: November 2017 / Verlag: Fischer Verlag / Seiten: 432 / Serie: Band 2

weitere Kritiken: japanische Literatur Blog,

weitere (dt.) Bände von Tetsuya Honda:  Blutroter Tod (Bd.1), …

erhältlich z.B. bei: hugendubel


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