endstation tokio, roman, krimi, japan, buchkritik

Das war es. Ende. Aus. Finito.

Alex zieht die Reißleine und flieht nach Japan. Ein Land, weit weg von seiner Vergangenheit. Seine Zulassung als Anwalt hat er bereits verloren und nun versucht er einen Neustart als Englischlehrer. Gut, so viele Optionen hat er als Gaijin in Japan auch nicht. Für das Nötigste zum Überleben reicht es und so fügt er sich seinem selbst aufgebürdetem Schicksal.

Eines Tages – die dunklen Schatten der Vergangenheit scheinen bereits zu verblassen – lernt er Naoko kennen. Die Japanerin zieht ihn förmlich in den Bann. Liebeshungrig fallen die beiden über einander her und dennoch öffnen sie sich ihrem Gegenüber nie gänzlich. Beide wollen etwas im Verborgenen lassen. Dummerweise kennt ihr Umfeld diese Geheimnisse und so kommt es, wie es kommen muss. Ein Gerücht hier, ein Zettel dort und schon scheint alle Welt sich gegen sie zu verschwören.

“Manchmal glaube ich, ich verstehe überhaupt nichts”, sagte Alex.

“Von diesem Film?”

“Von diesem Land.” (S.115)

Japan, das Land des Lächelns. Hinter einem Lächeln lässt sich viel verstecken. Erst wenn man hinter die Maske schaut, sieht man das wahre Ich. Sex, Geld, Gier, Macht. Alles Dinge, die die Menschheit dominieren. Zeitgleich gilt es die schöne Fassade aufrecht zu erhalten. Schließlich will man seinen guten Ruf nicht verlieren. Aber ist das auf Dauer wirklich möglich? Kann und möchte man mit diesem Schauspiel sein Leben verbringen?

Alex und Naoko stellen sich diesen Fragen. Allerdings recht unfreiwillig, da die Welle der Vergangenheit schlagartig über ihnen zusammenbricht und sie mit sich fort reißt. Ab diesem Zeitpunkt kennt man als Leser ebenfalls alle wichtigen Punkte, kann Eins und Zwei zusammenrechnen und ahnt bereits die weiteren Entwicklungen. Das ist nicht schön. Vor allem, wenn es wirklich so eintrifft, die Spannung ausbleibt und selbst die Dialoge wie einstudiert wirken.

“Ich habe kein Geld. Jetzt ist alles vorbei.” (S. 185)

In dem Moment, wo mir bewusst wurde, dass mich keine Überraschungen mehr erwarten würden, war die Luft raus. Es macht kein Spaß mehr das Buch zu lesen. Hatte ich doch wesentlich mehr Tiefe erwartet. Da helfen auch die vielen japanischen Begriffe nichts mehr, um das Lesefeeling aufleben zu lassen. Naoko und Alex machen exakt das, was schon zahlreiche andere Paare vor ihnen gemacht haben. Ihre Gegner machen ebenfalls genau das, was bereits andere vor ihnen gemacht haben. Dabei ist es nicht einmal neu verpackt. Nur das Land zu ändern reicht dafür leider nicht aus.

Man kann es sich denken: Für dieses Buch kann ich keinen Lesetipp aussprechen. Wer viel in der Kriminalliteratur unterwegs ist, wird bekannte Muster erkennen und alles rasch durchschauen. Die liebe Iris hat – im Gegensatz zu mir – großen Gefallen an dem Buch gefunden. So unterschiedlich können Meinungen sein.


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Genre: Crime / VÖ: Juli 2018 / Verlag: Goldmann / Serie: Einzelband

erhältlich bei: hugendubel.de

weitere Meinungen: Schurkenblog, wortfiebern, …


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