… und ob ich ein Länderspecial noch einmal machen würde.

Hach, wie fein war mein Gedankenkarusell, als ich im vergangenen Jahr beschlossen habe, dass ich zu japanischen Autoren ein großes Special auf meinem Blog machen werde. Sofort stürzte ich mich auf zahlreiche Listen, um Bücher aus der Kategorie zu finden. Gar nicht so einfach im ersten Moment, da ich Romane erst einmal ausgeschlossen habe. Der Schwerpunkt meiner Lesevorlieben liegt nun mal im Crime. Aber wer suchet, der findet!

So habe ich haufenweise Namen notiert, Online-Buchläden abgeklappert und queerbeet bestellt. Schließlich kannte ich einige überhaupt nicht. Mir war es übrigens wichtig, dass die Schreiberlinge wirklich aus Japan kommen und nicht nur die Handlung dort spielt. Meine einzige Ausnahme ist Sujata Massey, sie ist keine gebürtige Japanerin, sondern erst seit 1991 dort heimisch. Liest man jedoch ihre Bücher, spürt man das gleiche Flair wie in den anderen auch. Aber dazu später mehr. Hier erst einmal meine Beiträge der letzten sechs Monate:

1Die Tote im Badehaus
2 In der Misosuppe
3Der Graben
4 “Sommer mit Fremden” (ohne Kritik)
5Stahlblaue Nacht
6Der Hauptschlüssel
7Die seltsamen Methoden des Dr. Irabu
8Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß
9Schwimmen mit Elefanten
10Piercing
11Schwestern der Nacht
12Naokos Lächeln
13Die unheimliche Bibliothek
14Battle Royale
15Therapiestation
16Der Kuss des Feuers
17The Ring
18Schweigen
19Trübe Wasser in Tokio
20Herr Nakano und die Frauen
21Schönheit und Trauer
22Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden
23Yon & Mu” (Comic)
24 “64” (ohne Kritik)
25Japanische Neujahrsfest” (Artikel)

Wow, mag man da jetzt denken, da ist einiges zusammen gekommen. Ja, ist es auch. Trotzdem liegen hier immer noch Bücher und ich habe nicht so viele geschafft, wie gewollt. Für einen Leseeindruck und neue Lieblinge hat es auf jeden Fall gereicht. Daher konnte ich sogar ein Top 10 Ranking zusammenstellen. Zehn Bücher, die ich euch auf ans Herz legen möchte. Für jeden Geschmack sollte da etwas dabei sein.

Top 10

 

Battle Royale (Horror)
64 (Krimi)
Piercing (Krimi)
Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß (Roman)
Der Hauptschlüssel (Krimi)
Schwimmen mit Elefanten (Roman)
Schweigen (Roman)
Therapiestation (SciFi)
Die Tote im Badehaus (Krimi)
Der Graben (Horror)

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Warum das alles?

Um den Stil japanischer Autoren noch besser kennen zu lernen. Neue Gesichter zu entdecken und den Lesehorizont zu erweitern. Immer nur dem aktuellen Lesetrend nachzurennen liegt mir nicht sonderlich. Daher meine Wahl auf ein Land, was ich eher mit Manga und leckerem Essen verbinde, als vielen Autoren. Koji Suzuki ist einer der wenigen, die ich bereits vorher gut kannte.

Was hast du daraus gelernt?

Dass es ganz viele tolle Autoren aus Japan gibt *finger knet* und es sich lohnt über den Tellerrand hinweg zuschauen *hüstel* Mal ehrlich, wer will immer nur Einheitsbrei lesen? Jedes Land bringt gute Autoren hervor. In meinem Fall habe ich zuerst Japan besucht und gemerkt, dass die Damen und Herren dort eine ganz eigene Art haben Dinge zu beschreiben. Über einen Kamm scheren kann man sie dennoch nicht.

So schreibt Ryu Murakami viel in Rätseln, macht Andeutungen und spricht Dinge nicht aus, sondern lässt das Kopfkino arbeiten. Yoko Ogawa verliert sich gern in Beziehungen und abstrusen (sexuellen) Neigungen, die einen in den Bann ziehen oder abstoßen. Hiromi Kawakami degegen geht sehr zart und vorsichtig an Beziehungen heran und schlägt sich dabei so gut, dass selbst ich ihre Bücher nicht beiseite legen konnte. Nicht zu vergessen, der gute Koji Suzuki, der einem Schauer über den Rücken jagt, auch wenn er dabei gern ins Mystische abdriftet.

Gibt es Gemeinsamkeiten?

Ja. In gefühlt jedem zweiten Buch wird der Jahreswechsel bzw. das japanische Neujahrsfest erwähnt. Da scheint es eine ganz besondere Beziehung zu geben. Daher habe ich auch einen Sonderbeitrag dazu veröffentlicht.

> “Shogatsu” Artikel

Ansonsten kann man kaum Gemeinsamkeiten finden. Manch einer braucht lange um Fahrt aufzunehmen, ein anderer spricht in Rästeln und kommt kaum zum Punkt, andere hauen direkt auf den Tisch oder gehen so in die Tiefe, dass man automatisch langsamer liest, um alles zu verstehen. Thematisch geht es um Verluste(ängste), fiese Verbrechen, den eigenen Glauben an etwas, die Position in der Gesellschaft und sexuelle Neigungen.

Würdest du so etwas noch einmal machen?

Auf jeden Fall! Dann ein Land, was ich noch nie so bewusst wahr genommen habe, wie Spanien oder Polen oder Mexiko. Wer hier noch Tipps hat oder Ideen, kann sie gerne in die Kommentare schreiben. Zeitlich würde ich direkt ein halbes Jahr einplanen. Dann kann man zwischenzeitlich andere Bücher lesen und hat trotzdem genügend Luft und Zeit für spontane Entdeckungen.

(1) Randnotiz: Fast alle japanischen Bücher werden aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt. Direktübersetzungen gibt es kaum.

(2) Randnotiz: Von den 23 Büchern waren 34% Bücher aus IndieVerlagen.


Wie fandet ihr das Special? Gerne mehr davon? Oder selbst Lust bekommen, so eine Aktion zu starten?


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