terra, ts orgel, scifi, buchkritik, cover

“Du hast noch Sauerstoff für neunundzwanzig Minuten.” Kaltes Grauen stieg in Charlotte auf. (Buchbeginn)

Ein Horrorszenario. Du bist im All unterwegs. Schwerlos. Kilometerweit von einem Planeten entfernt. Plötzlich meldet dein automatisches Warnsystem: Sauerstoffknappheit. Die nächste Luke ist ein gutes Stück entfernt. Keiner reagiert auf deine Hilferufe. Auf keinem Kanal wirst du empfangen. Eine Blockade. Was machst du also? Die Nerven bewahren. Tief durchatmen. Auch wenn das ein Fehler ist. Logisch denken und die eigene Rettungsaktion starten. Ob das reicht?

Charlotte hat keine andere Wahl. Aber was, wenn so etwas zur Norm wird? Systeme, die dich abschotten. KIs, die eine Rettungsaktion verhindern. Darf es jemals so weit kommen? Den Programmen ist schließlich alles vorgegeben. All ihr Wissen haben sie von den Menschen. Sie sind eine Kopie. Doch nicht nur damit dürfen sich die Menschen in “Terra” herumschlagen. Bei einem Routinetransport vom Mars werden durch Zufall Bomben entdeckt. Scharfe Exemplare und das nicht gerade in geringer Form. Sie sind auf dem Weg zur Erde.

  • Rücksprachen untereinander
  • Wer steckt dahinter?
  • Hört der Feind mit?
  • Wie verhält man sich nun?

Ein Mechaniker, der die Transporte begleitet, heißt Jak. Ihm fällt die Unregelmäßigkeit im System zuerst auf und sofort wird er skeptisch. Er leitet die Kommunikation unter den Schiffen ein und nimmt parallel dazu, Kontakt zu seiner Schwester auf der Erde auf. Hofft, dass sie von dort helfen und das Unglück abwenden kann. Das ist jedoch alles nicht so einfach. Denn die Systeme sind weiter. Wände haben Ohren. KIs gehören zum Alltag. Wie soll man gegen eine künstliche Intelligenz ankommen, die überall und nirgendwo ist? Oder steckt vielleicht doch etwas ganz anderes dahinter? Die Uhr tickt.

Mit diesem Szenario wurde eine spannende Ausgangslage geschaffen, die sich erst am Ende aufklären wird. Da kann man sich sicher sein. Ob gut oder schlecht, ist die andere Sache. Da hilft es nur entgegen zu steuern. Das machen alle Charaktere auf ihre ganz eigene Art und Weise. Regelmäßig kommen dabei die Hintergründe an das Tageslicht und neue Wendungen kommen zum Vorschein. Der stetige Wechsel zwischen Jak, seiner Schwester und weiteren Personen sorgt für zusätzliche Spannung und zeigt die unterschiedlichen Meinungen zur Situation auf.

“Jak stieg in die Röhre zum Cockpit. Das Lächeln des Hologramms ging ihm nicht aus dem Kopf. War diese Reaktion normal?” (S.169)

Weite Raumfahrten, die Besiedelung des Mars, der Mond als Bergwerk und künstliche Intelligenzen die aufmüpfig werden, das sind alles keine unbekannten Komponenten. Das Autorenduo greift sie dennoch auf und schafft eine ganz eigene Kreation dazu. Die durchaus zu unterhalten weiß. An Spannung mangelt es jedenfalls nicht. Diese wäre noch besser gewesen, wenn man nicht durch lange Erinnerungsfetzen aus einer Situation rausgerissen worden wäre. Teilweise haben diese Momente genau die richtige Länge und manchmal sind sie einfach zu lang und (für mich) unnötig gewesen. Man muss nicht alles aussprechen, manches kann man sich herleiten und das Kopfkino so ankurbeln.

Alles in allem hat mich das Buch perfekt unterhalten. Das Ende hat mich über die Kritikpunkte sogar etwas hinwegsehen lassen, unerwähnt sollten sie dennoch nicht bleiben. Ich sehe das Buch als einen guten Einstieg in das Science-Fiction Genre. Gerade die, die unsicher sind, womit sie starten sollen (außer alten Schinken), sollten zu “Terra” greifen. Wer zu den alten Hasen gehört, wird kein neues Rad vorfinden, aber eine gute Unterhaltung über ein paar Stunden.

terra, scifi, buchkritik, sketchnote


Anzeige

Genre: Crime / VÖ: November 2018 / Verlag: Heyne / Serie: Einzelband

erhältlich bei: hugendubel.de


Loading Likes...