dragon teeth, crichton, buchkritik

“William Jason Tertulluis Johnson, der älteste Sohn des Schiffsbauers Silas Johnson aus Philadelphia, schrieb sich im Herbst 1875 am Yale College ein.” (S.9)

Johnson ist nicht gerade der beste Schüler und verhält sich teilweise über dem erlaubten Maß des Gesetzes. So ist es fast kein Wunder, dass er sich auf eine Wette einlässt, auf dessen Folgen er nie und nimmer gerechnet hätte. Er beschließt sich Professor Marsh anzuschließen und gen Westen zu reisen, um Knochen auszugraben. Was wünscht sich ein junger, heranwachsender Mann mehr, als in Staub nach fossilen Überresten zu buddeln? Sicherlich eine Menge…

Zunächst ist er nicht erpicht darauf sich für Paläontologie zu interessieren. Lässt sich aber in einem Crashkurs das Fotografieren beibringen und heuert erfolgreich als Fotograf bei Charles Marsh an. Step 1 der Wette erklommen.  Fehlen nun noch die Wochen in einer Region, wo Indianer sich bis auf den Tod bekriegen und die Armee jeden als Schmuggler ansieht und an den Pranger stellt. Eine brisante Zeit.

“Es war Johnsons erste Nacht unter der riesigen Himmelskuppe der Prärie; er konnte keinen Schlaf finden. Schon der Gedanke an eine Klapperschlange oder einen Grizzly hielt ihn wach, aber daneben gab es noch so viele andere Geräusche […]” (S.94)

Bis zu diesem Punkt, klebt man an den Lippen des Erzählers. Liest eifrig die Tagebucheinträge von Johnson und will wissen, warum sich Marsh und Cope – der noch seinen Auftritt hat – so in den Haaren haben. Dummerweise wird einem dieses rasante Erzähltempo durch Passagen ausgebremst, die einen den Kopf fast auf Durchzug schalten lassen. Jahreszahlen. Historische Daten. Alles gequetscht auf wenige Seiten. In einem Roman brauche ich kein Geschichtsbuch in der Form.

Zudem dümpelt man ein wenig vor sich hin, da nichts passiert. Marsh wird immer paranoider und wiederholt sich. Abläufe drehen sich im Kreis. Bis endlich Cope auf der Bühne erscheint. Dann nimmt das Buch erneut Fahrt auf und bringt einen zu einem wunderbaren Finale.

“Aber ich dachte, Sie hätten Knochen gefunden, keine Steine.”

“Fossile Knochen sind Steine.” (S.233)

Alles in allem hat mich das Buch gut unterhalten. In der Kürze liegt die Würze, könnte man sagen. Knapp 300 Seiten und dennoch erfährt man wahnsinnig viel über die amerikanische Zeit des Umbruchs. Ich habe einen Michael Crichton gewollt und auch bekommen. Es ist vor allem seine Erzählweise, die mich jedes Mal aufs Neue in den Bann zieht. Da hat seine Frau eine gute Tat vollbracht, indem sie dieses Werk an die Leser gebracht hat.

Das Buch hat keinen direkten Zusammenhang zu “Jurassic Park”. Sherri Crichton sagt im Nachwort selbst, dass diese Geschichte ein Zeugnis und ein Briefkontakt zum American Museum of Natural History wohl der Auslöser für die Liebe Michaels zu den Dinosaurieren war. Diese ist bereits über vierzig Jahre alt und erfreut nun die Leserschaft.

[Sketchnote folgt]


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Genre: Roman / VÖ: Okt. 2018 / Verlag: Blessing / Region: Amerika / Serie: Einzelband

erhältlich bei: hugendubel.de


 

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