Mein Lesetagebuch zu “Snow Bone“.
Dieser Beitrag enthält keine Spoiler.

Kennst du diese Bücher, auf die man sich irgendwie freut, an die man keine bestimmten Erwartungen hat und einfach nur die Lesezeit genießen will, weil es einen gerade so freundlich anstrahlt? So erging es mir mit “Snow Bone” von Guido Grandt. Der Autor selbst ist recht seltsam drauf und ein Liebhaber von Verschwörungstheorien, daher werde ich so oder so, keine Kaufempfehlung für das Buch aussprechen können. Aber zuerst kommt der Inhalt:

Dienstag, 12.05.2020

Fünf Freunde gemeinsam unterwegs . Enid Blyton? Mh, nein, eher junge Erwachsene, die eine kleine Wanderung machen wollen und sich gehörig verschätzen. Wie kann man nur übersehen, dass es in den Bergen von Sierra Nevada, plötzliche Wintereinbrüche zu dieser Jahreszeit normal sind? Nachdem ich sie alle bilderbuchhaft vorgestellt bekommen habe – really? wer macht das heute noch? und dann auch noch so trocken und mit Adjektiven vollgestopft… Ich suche später noch Zitate heraus.

Man sieht ein Hotel. wuhu! Und kehrt dort ein. Ein netter (?) Mann öffnet die Tür, gibt ihnen Zuflucht und schnell wird klar: Dat wird nix. Also entweder hauen die mal ganz schnell wieder ab oder das Essen wird knapp und es wird Zoff geben (wird alles fein mathematisch ausgerechnet – gähn) Denn ins Tal zurück geht nicht, da zu kalt und zu weit und kein Auto und und und jaaaa, lieber Autor, wir haben verstanden, wir werden alle sterben, wenn wir nicht im Hotel bleiben und Unfälle sind auch ungünstig.

Muahahaha! Lasst sie alle sterben! Sie werden alle sterben! Und der nette (!) Mann wird zuerst die Axt schwingen! Muhahaha!

Mittwoch, 13.05.2020

Ich habe übrigens absichtlich keine Namen genannt. Zwei Paare, eine Single Lady, austauschbare Gesichter. Die eine stark tätowiert, die  andere arrogant, überhebliche Kerle, die den King raushängen lassen. Sie sollen bitte schnell sterben. ABER zuerst wird mal ordentlich geknattert. Heilige Jungfrau… die Beschreibungen dabei. Da hat wohl jemand viele Pornos geschaut oder ein interessantes Sexleben hier reininterpretiert. Wibbt dein Kopf auch immer auf und ab, wenn du im Bett liegst und oral befriedigt wirst? Mmmmmh…

Natürlich bekomm das Geknatter die Zimmernachbarin mit und spielt an sich selbst rum. Blöd, dass da auch noch andere Dinge passieren und das fröhliche Rumfummeln beenden. Geheime Visionen, die so rasch kommen, wie der Cut zum Sex nach dem Abendessen. Apropos, das zweite Pärchen läuft im Hotel herum, um Entdeckungen machen. Man trifft aber nur Caleb, den Hausmeister, und macht sich in die Hose (ernsthaft).

Wie gut, dass alles unterbrochen wird, denn “knock knock” es klopft an der Tür und es kommen noch mehr verlorene Seelen herein. Ist hier irgendwo ein Bahnhof? Diese 4 Herren, die direkt Vor – und Zunamen bekommen, bringen Schwung in die Bude. Denn – Oh, mein Goth! – Das Essen wird knapp! Schnappt euch die Gabel und stecht ihnen die Augen aus!

Ich bin ja für eine Parodie… kann das Buch nicht ernst nehmen und ich bin noch nicht mal weit, sondern auf Seite 57.

Donnerstag, 14.05. bis Samstag, 16.05.2020

Habe irgendwann angefangen quer zu lesen. Finds ja immer faszinierend, wenn man ein Buch nimmt, 50 Seiten vor blättert und trotzdem noch voll drin ist, da nichts entscheidendes passiert ist, was für den Verlauf wichtig wäre. HIER ist mir aufgefallen, das es sich scheinbar nur um drei Dinge dreht: OH MEINE HERREN BIN ICH NOTGEIL! Ich könnte jede Frau flachlegen, ich  hab nen Dauerständer, komm nehmen wir Frauen gegen deren Willen durch, meine Fresse sind wir voll die harten Kerle, muhahaha! Seufz. Also Vergewaltigung ist ein heikles Thema, wenn es in einem Buch vorkommt, dann sollte es zum Kontext passen. Hier, wirkt es wie ein Versuch die pöhsen Männer noch pöhser wirken zu lassen. Ehm…

“Verdammt noch mal, er war so richtig befriedrigt,wie schon lange nicht mehr! Das sexuelle Verlangen, das ihn beherrscht hatte, seit er Britt zum ersten Mal gesehen hatte, war nun etwas abgeflaut. Obwohl er, wenn er ehrlich war, seinen Schwanz schon wieder in sie reinstecken könnte.” (S.135)

Der zweite Punkt ist der Hunger. Egal wo ich im Text gelandet bin: Ich könnte ein Kamel fressen, mein Magen knurrt, warum sind hier so viele Menschen, ich hab Hunger, wie soll das alles reichen, ich muss in die Vorratskammer, ich bin so verdammt hungrig, diese ganzen Mäuler, die gestopft werden wollen, hab ich schon erwähnt, dass ich hungrig bin? In einem verschneiten Hotel gelandet zu sein, macht anscheinend hungrig.

“Währenddessen wurde der Heißhunger immer stärker in ihm. […] Mit Magenknurren und zunehmender Schwäche, wollte Caleb mit dem Lift ins Obergeschoss fahren, um dort nach den beiden zu sehen, doch als er auf dem Weg zum Aufzug an der Hauptküche vorbeikam, wehten Wortfetzen zu ihm hinüber. Und er roch Bratenduft.” (S.259)

Nun noch der dritte Punkt: Oberflächlichkeit. Meine Herren, die Damen, die Herren, alle begutachten sie ihren Körper, künstlich aufgepeppt, mäkelig vor dem Spiegel, runterbuttern von anderen. Der Autor scheint ein Faible für so etwas zu haben. Egal wo man ist, selbst beim Sex oder beim Essen, immer geht es um den eigenen Körper. Gähn.

“Vollkommen nackt lag Britt im Bett ihres Einzelzimmers. Der Schein des vollen Mondes, der nur ab und zu durch die Wolkendecke blitze, hüllte ihre weiblichen Kurven silbern ein. Ansonsten versanken ihre Rundungen, die prallen Brüste und die sanft gebogene Linie ihres Bauches im Zwielicht. Die weizenblonde Haarmähne breitete sich wie ein Strahlenkranz um ihr entrücktes Engelsgesicht aus.” (S.43)

Abschließend hab ich ein paar positive Worte: Die Grundidee von “Snow Bone” ist gut. Das Ende hätte ne richtig gute Wirkung gehabt, wenn der ganze Trubel davor anders umgesetzt worden wäre. Wirklich! Auch wenn man sich an unzählige andere Filme erinnert fühlt (wird aber auch erwähnt und sehe ich nicht als Kritikpunkt an), so hätte man es etwas anders umsetzen sollen, weniger plaktiv, mehr mit Grusel auf guter Ebene und nicht so plump.

snow bone

 

Ein weiteres Lesetagebuch habe ich bereits zu “Absturz unter Drachenfeuer” geführt (deutlich positiver) und zu “Parceval – Band 2” (Buch abgebrochen).

Das obige Buch ist im Luzifer Verlag* erschienen. Es schmerzt mir in der Leserseele, aber ich kann dieses Buch einfach nicht empfehlen.


13 thoughts on “|Notes| “Snow Bone”

  1. Huhu!

    Was den Autor betrifft hatte ich von “Nenatie” was gelesen dazu und gar nicht im Hinterkopf gehabt, dass dieser Titel von ihm ist. Das Buch stand bis eben auch auf meiner Wunschliste, was sich nun aus zweierlei Gründen erledigt hat – a) eben aufgrund dieser dubiosen Theorien und b) wenn du das Buch bereits jetzt schon nicht für voll nehmen kannst, ist es nix für mich.

    Ich hoffe ich vergesse nicht, hier mal ab und zu reinzuschauen, mag dieses Format von dir (=
    Mukkelige Grüße!

    1. XD

      ich war auch perplex als ich sah, was der Autor so treibt, aber da war das Buch schon längst bei mir eingezogen. Kann man ja nicht immer vorher wissen :/
      Aber da ich ihm wenigstens eine Chance geben wollte, hab ich mal damit begonnen.
      Kleiner Spoiler: Ich werde noch springen, so 200 Seiten nach vorne, da es einen einfach nicht mitreißt und so schlecht wirkt. Dann lieber ne richtige Parodie schreiben …

      1. Keien Ahnung wo die Antwort nun landet, da der Button nur noch mitten in der Unterhaltung war und nicht unter deinem letzten Kommi XD

        Ich bleib dabei, selbst wenn der Autor keine wilden Theorien vertreten würde – ich habe dein Lesetagebuch genossen, aber das Buch spricht mich so gar nicht mehr an.

        Danke für deine unterhaltenen Worte des Lesens :D

      2. Passt schon, das liegt an der Staffelung der Kommis, sonst werden die immer schmaler und unleserlicher.
        Ist alles richtig gelandet :D

        und bitte, bitte <3

  2. Hehe, dass nenne ich beste Unterhaltung!
    Wunderbar ehrlich geschrieben ohne abfällig zu werden. Buch und Autor sind mir total unbekannt und so wird es auch bleiben, dank deiner Worte.
    Mach so ein Lesetagebuch bitte öfters, daran kann ich mich nicht satt lesen,wobei wir wieder bei Hunger wären ;-)
    Liebe Grüße
    Kerstin

    1. Diese Tagebücher machen eigtl nur bei solchen Flops Spaß XD
      ansonsten würde ich wohl die ganze Zeit schreiben: Oh, ja, das gefällt mir, weiter so!

      Und ja, vergess den Autor wieder, lohnt sich nicht, weder als Autor, noch vom dem Schund, den er verbreitet :(

  3. Hi!

    Ich tauche auch mal wieder aus der Versenkung auf, bin halt aktuell eher stiller Leser als aktiver Kommentarschreiber xD. Aber Hut ab, dass du dir des überhaupt angetan hast, mich würde ja bereits der Schreibstil bei solchen Beschreibungen à la Seite 43 schon abstoßen. Das ist so klischeehaft männlich formuliert, dass es echt schmerzt …

    Liebe Grüße
    Ascari

    PS: Dein Text macht übrigens wieder Mut, Lesetagebücher zu lesen, nachdem ich erst vor kurzem bei jemand anderem mit ähnlichem Format vor Langeweile beinahe eingeschlafen bin …

    1. Wuhu, sie lebt noch XD
      Aber nicht schlimm, bin momentan auch rar auf Blogs unterwegs und kommentiere nur selten.
      Fein, dass du hier gelandet bist und dann auch noch Lob :3
      Der Sinn hier hinter ist ja, dass es nicht fad ist, sondern unterhaltsam.
      Mit Stichworten und neutralen Punkten kann ich mein Notizbuch nerven…

  4. Hallo :)
    wow, du hast wirklich durchgehalten! Manche Bücher sind irgendwie wie ein Unfall bei dem man einfach nicht wegschauen kann. Und wir haben einen unterhaltsamen Beitrag bekommen :D

    1. Ja, ein Unfall trifft es recht gut XD
      Man kann sie irgendwie nicht weglegen und will das Übel bis zum bitteren Ende am eigenen Leib spüren.
      Nun soll sich jmd anderes an dem Buch erfreuen :P

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