“2032.

Nachdem ein Teil des Yellowstone-Supervulkans ausbricht, deportiert die Regierung der USA nahezu alle Einwohner des Mittleren Westens an die West- und Ostküste.” (Comicbeginn)

2035 dann das Desaster.  Ein weiterer Vulkan bricht aus. Er galt als schlafend und inaktiv. Salt Lake City fällt ihm komplett zum Opfer. Jetzt, im Jahre 2042, hat sich alles so einigermaßen eingependelt. Glaubt man. Denn der Widerstand ist weiterhin vorhanden. Exakt der Widerstand, der sich aus den Menschen gebildet hatte, die ihre alte Heimat nicht verlassen wollten. Mag es an einer grundsätzlichen Gegenwehr gegen die Regierung oder dem Halt an seinen Wurzeln liegen. Oft bündelt sich der Hass und die Wut in brutaler Zerstörung. Tote sind keine Seltenheit.

Wahlen stehen an. Man steht vor der Frage: Alte Regierung behalten oder ein Neubeginn? Dabei scheinen sich manche Regierungsträger äußerst sicher zu sein, wohin der Wind weht. Ob sie sich da so sicher sein können?

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Noah befindet sich mittendrin. Er lebt in der ZONE, dem evakuiertem Gebiet, und hat eigentlich normale Grundbedürfnisse, wie Hunger. Was macht man da? Man holt sich was zu futtern. Absolut verständlich. Also tigert Noah zu seinem Lieblingsimbiss, lässt dort Hasstiraden von Mitmenschen über die Regierung über sich ergehen und als ihm sein Essen gereicht wird, klatscht es ihm – dank fettem Rempler – auf den Boden. Na, toll!

Während er seinen Kram zusammensucht und sich gefrustet Nachschub holt, bemerkt er nicht, dass er eine fremde Disk einsteckt. Als er später bei seiner Freundin Lenny ankommt und seine Tasche auspackt, fällt ihrer Technik-Spürnase sofort das kleine Speicherwerk auf. Was da wohl drauf ist? Ob sie die Daten überhaupt einsehen können? Sicher ist, diese Disk wird bereits vermisst und die Spürhunde kommen den beiden bald äußerst nahe.

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Was einem direkt auffällt, ist die Farbgebung. Eins vorweg: Ich bin kein großer Fan des Color-Key-Effekts. Dort wird bei einem in einem schwarz/weiß Bild ein Aspekt farblich hervorgehoben. In “Yellowstone” wird das im Prinzip auch gemacht. Nur deutlich besser. Mal lila, mal blau, mal grün. Je nach Situation ergibt sich eine markante Hintergrundfarbe. Deutlich markanter ist der rote Eyecather der Disk. Wie ein roter Faden zieht sie sich deutlich durch die gesamte Handlung. Ebenso Lenny (bordeaux) oder Noah (orange). So gehen ihre Gesichter nicht unter. Und keine Panik, es bleibt alles übersichtlich. Nicht jeder Charakter bekommt eine eigene Farbe.

Yellowstone” ist mir Dank einer Glücksfee zugeflogen und so landete es mitsamt Signierung bei mir im Briefkasten. Ich hatte es vorher nur einmal kurz bei Ariane gesichtet und wusste daher kaum, bis gar nichts über den Inhalt. Umso mehr war ich überrascht, wie tief das kleine Werk geht. Da wird nicht nur über (ein) Menschenleben berichtet, sondern über Politik, persönliche Entscheidungen und den freien Willen. Wer also einmal einen Comic lesen will, der politisch wird, ohne staubtrocken zu sein, ist hier genau richtig. Aber auch Spannungs- und Verschwörungsliebhaber werden auf ihre Kosten kommen. (Ich hatte kurz vorher “Devolution*” gelesen und musste zeitweise daran denken, was die Verschwörungen betrifft.)

“Wir alle haben etwas vor 10 Jahren verloren. Unser Zuhause, unsere Nachbarschaft … Unsere Heimat! – Aber nicht unseren Stolz und nicht unseren Verstand.” (Kapitel 1, Beginn)

yellowstone

144 Seiten
September 2020 veröffentlicht bei Zwerchfell Verlag*
Einzelband
komplett in Farbe
von Philipp Spreckels (Autor) + David Scheffel-Runte (Zeichnung)

besprochen auch bei  Ariane (nerd-mit-nadel.de)*

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5 thoughts on “|Comic| “Yellowstone”

  1. Ich lese auch so gern Comics und bin immer auf der Suche nach neuem Lesestoff aus dem Genre. In “Yellowstone” habe ich vor einiger Zeit schon mal reingeblättert. Da ist der Funke aber irgendwie noch nicht so übergesprungen. Vielliecht muss ich dem Comic noch mal eine zweite Chance geben. :)
    Liebe Grüße. Julia

    1. zugegeben, kaufen wollte ich ihn anfangs auch nicht. Dann hab ich ihn gewonnen, daheim und noch mal reingeschaut und konnte nicht mehr wegschauen. Ich finde, es lohnt sich :)

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