nacht, minier

“Die Nacht war pechschwarz, und das Haus lag im Dunkeln da, als er davor parkte. Es machte einen verlassenen, leeren Eindruck, kein Licht hinter den geschlossenen Fensterläden.” (S.108)

Commandant Martin Servaz ist zurück. Er geht seinem Berufsalltag nach, jagt Verbrecher und verarbeitet stumm seine Vergangenheit. Aber selbst nach fünf Jahren kann er nicht vergessen, was Julian Hirtmann ihm und anderen Menschen angetan hat. Daher scheint es der perfekte Wink mit dem Zaunpfahl zu sein, als sich eine norwegische Beamtin meldet und verkündet: Wir haben da was!

Purer Zufall oder absolute Berechnung von Hirtmann? Theoretisch bräuchte man die Frage gar nicht stellen. Bei diesem Serienmörder ist alles genauestens kalkuliert. Da passt ein Rädchen in das andere. Spontanität ist für ihn ein Fremdwort und sollte er doch flexibel agieren müssen, hält man sich lieber nicht in seiner Nähe auf.

“Der König der Löwen.

Das Individuum am Ende der Nahrungskette.

Julian Hirtmann… ” (S.243)

Zurück zu der Meldung aus Norwegen. Die Kollegen schicken direkt eine Polizistin nach Frankreich, damit sie dem Fall nachgehen kann. Schließlich wird ausdrücklich Servaz Name auf den Fundstücken erwähnt. Hinzu kommt noch das Kind. Heimlich fotografiert aus der Ferne. Blass und kränklich wirkt es. Rufen da etwa die Kindertotenlieder? Wer ist der kleine Junge? Was verdammt nochmal hat Hirtmann diesmal vor? Um das herauszufinden, reisen Martin Servaz und Kirsten Nigard nach Österreich.

Und damit machen sie genau das, was ein Mann gewollt hat. Die Rädchen beginnen sich – gut geölt – zu drehen. Da stellt sich nur der Frage, wer wird am Ende hängen? Dass es Leichen geben wird, das steht außer Frage. Hirtmann und kein Mord? Wo kämen wir denn da hin? Auch wenn man irgendwann ahnt, wo das alles hinführen soll, fädelt der Autor es so geschickt ein, dass man nicht müde wird, die Zeilen zu verschlingen. Hier und da noch ein paar überraschende Wendungen und schon ist für Unterhaltung gesorgt.

“Nichts hatte sich verändert. Und doch hatte sich alles verändert. In ihm.” (S.108)

Man darf als Leser abwechselnd Martin und Kirsten folgen. Die beiden arbeiten zwar für ein paar Tage zusammen, das heiß aber nicht, dass beide mit offenen Karten spielen. Ebenso gibt es ein paar Kandidaten, die ebenfalls ein Auge auf Julian Hirtmann geworfen haben und sich an die Fersen der Ermittler haften. Wer da wohl wem Steine in den Weg wirft? Die tragenden Figuren sind dennoch deutlich Servaz und Hirtmann. Schließlich verbindet die beiden eine Menge schauriges.

In diesem vierten Band der Reihe hat mich leider nicht jedes Kapitel überzeugt. Es gibt zu Beginn einen Vorfall der eine Reaktion mit sich zieht, die unter die Haut geht. Allerdings begibt sich der Autor hier auf ein Gebiet, was ich in der Fülle nicht gebraucht hätte. Zwar zieht sich die Situation durch die komplette Geschichte, aber dieser eine Part mit Martin… hach, nein, mit dem wurde ich nicht glücklich. Weniger ist mehr. Vor allem hier.

Alles in allem hat mich dieses Buch trotzdem überzeugt. Minier baut wieder ein Flair auf, was mich seit seinem ersten Buch der Reihe so fasziniert und stets aufs Neue fesselt. Seine Erzählungen und Beschreibungen von Momentaufnahmen, dazu die Charaktere, die er erschaffen hat: Es harmoniert alles miteinander. Wer die Reihe noch nicht kennt, sollte einen Blick wagen und bitte vorne anfangen! Ein Einstieg mittendrin kann ich hier nicht empfehlen!


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Genre: Crime / VÖ: Februar ’18 / Verlag: Droemer Knaur / Region: Frankreich / Serie: Band 4

erhältlich bei: hugendubel.de

Reihenfolge:

“Schwarzer Schmetterling”
Kindertotenlieder” (Kritik)
Wolfsbeute” (Kritik)


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