SpecialDas Getier im Mensch

Halloween ist vorbei. Theoretisch. Praktisch, kann man es doch auch das ganze Jahr über feiern. Schließlich hört das Gewimmel im Menschen nicht plötzlich am ersten November auf! Von daher geht es hier munter weiter. Es gelten die üblichen Warnungen: Wer mit Krabbeltieren und anderen aktiven Dingen im Körper nichts anfangen kann und sich ekelt, sollte diese Beiträge nicht lesen!

Auf nach Hawaii! Entfliehen wir der kalten Jahreszeit und begeben uns zu diesem warmen Fleckchen Erde. Traumhafte Strände, eine Flora und Fauna, die einen Träumen lässt. Dazu die kulinarischen Köstlichkeiten. Allerdings ist Vorsicht geboten. In letzter Zeit sind vermehrt Menschen unter seltsamen Umständen ums Leben gekommen und sogar verschwunden. Dabei konnte der Täter förmlich durch Wände gehen. Bei einem ganz aktuellen Fall findet man mehrere Leichen. Ein Suizid ist schnell ausgeschlossen. Alles spricht für Fremdeinwirkung, aber es sind keine Spuren für ein gewaltsames Eindringen zu finden. Wer oder was hat sie also ermordet?

“Können Sie nicht heute schon kommen?” […]
“Ich glaube schon – aber warum diese Eile?”
“Leider habe ich eine schlechte Nachricht für Sie, Peter.” Sie machte eine kleine Pause. “Es geht um Ihren Bruder.” (S.65)

Fast parallel dazu wirbt eine große Firma junge, aufstrebende Wissenschaftler an. Ein kleiner Trupp, bestehend aus sieben Studenten und Studentinnen, macht sich nach kurzem Zögern vertraut mit der Firma und möchte nach Hawaii fliegen. Es soll gemeinsam geforscht und entwickelt werden. Alles natürlich unter dem Verschwiegenheitsmantel eines fetten Vertrages. Jeder hat sein eigenes Spezialgebiet. Botaniker, Biochemiker, Ethnobotaniker oder Arachnologin. Alles Gebiete, die ihnen noch hilfreich sein werden und sogar für ihr Überleben von höchster Wichtigkeit sind. Denn was keiner ahnt: Bald wird es äußerst mikroskopisch winzig werden.

“Diese Maschine kann nicht länger als acht oder neun Millimeter sein. Das ist doch nur so groß wie der Nagel meines kleinen Fingers. Sie können doch in einer solch kleinen Hülle nicht die nötige Rechenleistung installieren.”
“Doch, das können wir.” (S.115)

Die Firma Nanigen ist dabei eine besondere Technologie zu entwickeln. Damit niemand diese kopiert oder ihnen einen Schritt voraus ist, geht man äußerst drastische Wege. So ist es anfangs der gute Wille des Bruders von Peter, die jungen Leute in die Firma zu holen, am Ende will er sie allerdings nur noch warnen und davon jagen. Warum? Weil hier einfach einiges schief läuft und jemand versucht an den falschen Strippen zu ziehen. Macht, Gier und Mordlust stehen an der Tagesordnung.

Das Buch wurde von Michael Crichton vor seinem Tod nicht beendet. Daher hat sein Schreiberkollege Richard Preston diesen Part übernommen. Man spürt die fremde Feder, hat eine Vermutung, wo Preston ergänzt hat und dennoch steckt hier ein wahrer Crichton drin. Er überrascht, er geht in die Tiefe und kommt mit einer wunderbaren (grausamen) Welt daher, die vielleicht eines Tages Realität wird. Zeitweise verlieren sich die Studenten und ihre Mitstreier zu sehr in nichtigen Dialogen.

Mach hin, will man rufen. Komm in die Pötte! Ich will Spannung und Action!

Genau diese Action kommt mir zu kurz. Ich kenne Crichton da temporeicher. Was nicht heißt, dass es diese Momente nicht gibt! Gerade am Ende zieht er ordentlich an und man rennt förmlich durch das Buch. Dank der bildhaften Sprache schlägt das Kopfkino Purzelbäume und offenbart einem Details, an die man bei dem nächsten Besuch im Wald lieber nicht denken möchte. Das Ende kommt rund und zügig daher. Ob das Buch einem Crichton würdig ist? Ich sage ja! Die Geschichte ist nicht perfekt, aber absolut lesenswert.

>> Zu gern hätte ich sie komplett aus seiner Hand gelesen, aber dem sollte nicht so sein. Leider. Daher freue ich mich über das, was daraus gemacht wurde. Prädikat: Lesenswert!

Gewürm-Check:

Gewürm? Ja, in gewisser Weise schon
Juckt die Haut? allein der Gedanke an die “Dinger” ja, da krabbelt es
Spannung? vorhanden
Blood & Splatter? nicht extrem, aber ja
Trigger? Insekten, Spinnen, Kleingetier


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Genre: Thrill, Crime / VÖ: September ’13 / Verlag: Heyne / Region: Amerika / Serie: Einzelband

erhältlich bei: hugendubel.de

Bilder: Die Bildrechte der obigen Fotos liegen bei Alexandra Friewald. Sie sind nicht ohne Genehmigung weiterverwendbar.


12 thoughts on “|Crime| “Micro”

  1. So wie es aussieht muss ich dieses Buch wohl haben. Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich blutig kratze und mich mit Insektenspray einbunkere 😁
    Wie immer geniale Rezi, die Lust auf mehr macht.
    *kratz..schrubbel..böses Gekicher..kratz*

    1. Ich habe leider noch nie einen Crichton gelesen, aber durch euer Gespräch im Comicklatsch und nun diese Besprechung hast du/habt ihr mich wirklich sehr neugierig gemacht.

      Da hier Crichton nicht allein geschrieben hat: Welches seiner Bücher würdest du denn zum Einstieg empfehlen?

      1. Danke für den Tipp! Was den lahmen deutschen Titel “Die Gedanken des Bösen” betrifft: Ich kann ja auf das englische Original ausweichen. ;)

        Zu Jurassic Park hat ich immer ein zwiespältiges Verhältnis – ich liebe die Idee dahinter und kann auch problemlos einen Film genießen, aber danach ödet es mich dann doch meist an. :-/

      2. Bitte :D
        Den Titel überblättert man ja rasch – ist also während des Lesens nicht so schlimm :P

        Kannst ja mal berichten, wenn deinen ersten Crichton gelesen hast – ist halt auch schon was älter, was man zeitweise merkt aber nicht minder unterhaltsam :3

  2. Ich bin mir jetzt gar nicht so sicher, dass ich überhaupt einen Crichton gelesen habe. Verfilmungen ja, aber als Buch? Ich glaube nicht.
    Eine (leider unfreiwillige) Kooperation Crichton / Preston ist ja nun auch nicht das Schlechteste. Scheint ja gut gelungen zu sein.
    Ich hab schon ewig keinen “Getier-Thriller” mehr gelesen. Den werde ich mir mal merken.
    LG Gabi

    1. Mir ist durch Zufall mal einer in die Hände geraten und ich war verblüfft, dass ich ihn nicht schon eher entdeckt hatte :D
      Kenne keine Bücher von Preston, von daher kann ich nicht vergleichen. Es gibt aber viele Kritiker zu dem obigen Buch (wie oft bei solchen Aktionen nach dem Tod des Autors) daher “musste” ich den Vergleich bringen.
      Es ist ungewöhnlcihes Getier. Glaubst gar nicht wie sehr es mir auf der Zunge liegt DAS Detail zu nennen – aber es wäre ein extremer spoiler XD

      1. Ah, ich habe gesehen, dass ich den falschen Preston gemeint habe. Ich kenne Douglas Preston, der mit Lincoln Child eine tolle Thriller-Serie (Special Agent Pendergast) schreibt. Aber hier geht es ja um Richard Preston, der – wie mir google erzählte – der Bruder von Douglas ist. Von dem hab ich noch nichts gelesen.

        Aber da ich wissen will, welches Getier sich in dem Buch herumtreibt, muss ich das Buch wohl lesen ;-)

        LG Gabi

      2. Ich kenne keinen der Brüder :P
        Habe nur schon oft erlebt, dass diese Ghostwriter gerne kritisiert werden. Find wie gesagt, er hat nen guten Job gemacht :D

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